Nürnberger Prozesse

„… Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? …“ – Jer 8,4

(Predigt, Volkstrauertag) „… Gerade in diesen Tagen jetzt jährt sich auch der Beginn des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses zum 50. mal. Er begann am 20. November 1945, also genau morgen vor 50 Jahren. Dazu bekam ich dieser Tage Informationen in die Hände, von denen ich bisher nichts wusste, und die mich bewegt haben. Die ange­klagten Naziführer konnten während des 7-monatigen Prozesses und bis zur Urteilsverkündigung bzw. -Vollstreckung etwa ein Jahr später auch Gefängnisgottesdienste besuchen und seelsor­gerlichen Beistand erhalten von einem lutherischen Militärgeistli­chen aus den USA. 15 der 24 Angeklagten haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Bei ihnen ist es neben dem juristi­schen Prozess offenbar zu bemerkenswerten Prozessen anderer Art gekommen. Einige Passagen aus dem Bericht dieses ameri­kanischen Geistlichen möchte ich weitergeben. Es heißt darin beispielsweise: ‚Fritz Sauckel war der erste, der sein Herz dem Evangelium öffnete. Als Reichsstatthalter war er verantwortlich dafür, dass über 5 Mio. Menschen Deportation und Zwangsarbeit erlitten. Der Vater von zehn Kindern hatte eine Frau, die an Christus glaubte. Nach einigen Gesprächen knieten wir neben seiner Pritsche, und er betete das Gebet des Zöllners: Gott, sei mir Sünder gnädig. Ich weiß, er meinte es ernst. Stets betete er in seiner Zelle laut diesen Vers. Er bat seine Frau eindringlich, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen.’ Nach der Verkün­digung der Urteile verbrachte der amerikanische Pfarrer den größten Teil der verbleibenden Zeit in den Todeszellen. Er berichtet, dass Ribbentropp, Keitel und Sauckel zum letzten Mal in ihrer Zelle das Abendmahl feierten. Gott hatte ihre Herzen verändert, und jetzt, angesichts des Todes, beim Verlust aller materiellen Dinge und auch ihres unwürdigen Lebens, durften sie die Verheißungen Gottes für einen armen Sünder erfassen. Als erster trat dann Außenminister Ribbentrop den Gang zum Galgen an. Bevor er die Zelle verließ, sagte er: ‚Ich vertraue auf das Blut des Lammes, das der Welt Sünde trägt.’ Er bat Gott, er möge seiner Seele gnädig sein. Reichsinnenminister Frick versicherte dem Geistlichen kurz vor seinem Tod: ‚Ich vertraue auf die reinigende Kraft des Blutes Jesu. Während Ihrer einfachen Gottesdienste ist mir Jesus Christus persönlich begegnet.’ Zuletzt noch eine Äußerung von Hans Frank, Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete. Er sagte bei der Verhandlung: ‚Meine Herren Richter, … wir haben am Anfang unseres Weges nicht geahnt, dass die Abwendung von Gott solche verderblichen, tödlichen Folgen haben könnte, und dass wir zwangsläufig immer mehr in Schuld verstrickt werden könnten … So sind wir in der Abwendung von Gott zuschanden geworden und mussten unter­gehen! Hitlers Weg war der vermessene Weg ohne Gott, der Abwendung von Christus … Ich will auf der Welt keine ver­steckte Schuld unerledigt zurücklassen. Im Zeugenstand habe ich die Verantwortung für das übernommen, was ich einzugestehen habe … Die ewige Gerechtigkeit Gottes aber ist es, in der ich unser Volk geborgen hoffe, und der auch ich mich allein vertrau­ensvoll beuge.’

Bei diesen Männern ist etwas geschehen, was Gott in der heuti­gen biblischen Botschaft uns allen nahelegt. Ich folge den Aussa­gen des Textes. Sie sind nach dem tiefen Fall, den sie getan haben, wieder aufgestanden; besser: sie haben sich nach dem ausgestreckt, was ihnen wieder aufhelfen konnte. Und das war das Blut des Lammes, die reinigende Kraft des Blutes Jesu Christi. Wir scheuen uns vielleicht, das so auszusprechen. Aber was sonst könnte Menschen aufhelfen, die ihr Leben und ihr Heil verwirkt haben? …“

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