Allmacht zur Rechten Gottes

„Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg“ – Ps 118,16

(Predigt) „… Sieg ist das Ergebnis eines Kampfes. Und von einem Kampf ist auch ausdrücklich die Rede in jener endzeitlichen Vision aus der Johannes-Offenbarung – wir erinnern uns an die Lesung zu Beginn. Frage: Wie passt das denn dazu, dass wir Gott als den Allmächtigen bekennen? ‚Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen’, das heißt doch: Er hat schon immer alles im Griff. Es ist von jeher alles von ihm geregelt und bestimmt. Alles, was ist und geschieht, ist auf ihn zurückzuführen. Diese Vorstellung von Gottes Allmacht hat dann allerdings sofort auch die leidige Frage bei sich: Warum verhindert Gott, wenn er allmächtig ist, nicht dies und jenes Schreckliche, das um uns herum und vielleicht auch in unserem eigenen Leben geschieht? An dieser Frage kann man verzweifeln.

Wie wäre es, liebe Gemeinde, mit einem etwas anderen Verständnis von Gottes Allmacht? Dieses Verständnis – es ist wohl das biblische – sieht so aus: Böses, Schlimmes, Notvolles, Schreckliches – das sind die Gegebenheiten unserer Welt, wie wir sie vorfinden, wie auch Gott sie vorfindet, herbeigeführt durch böse Mächte, durch menschliche Schuld oder wie auch immer. Gott dagegen hat der Welt Heil zugedacht. Aber dieses Heil muss erst noch durchgesetzt werden! Und dazu hat Gott alle Macht, dazu trauen wir ihm alle Macht zu. In dieser Hinsicht ist er der Allmächtige. Es ist eine Allmacht im Kampf gegen das vorhandene Unheil. Für die Schöpfung gilt das genau so wie für die Erlösung. Sein Schöpfungswerk musste Gott gegen die Chaosmächte durchsetzen und er bewahrt seine Schöpfung bis heute vor der in jedem Moment drohenden Zerstörung. Erst recht läuft das Werk der Erlösung auf ein Kampfgeschehen, auf einen Machtkampf hinaus. Zunächst einmal ist Satan am Werk und hat ein ganz anderes Ziel mit der Welt, mit uns. ‚Der Menschensohn ist gekommen, dass er die Werke des Teufels zerstöre’ spricht Jesus. Und so beschreibt auch die endzeitliche Vision der Johannes-Offenbarung einen Kampf: ‚Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel.’ In diesem Kampf zeigt sich dann die Allmacht Gottes. Gott ist allmächtig im Durchsetzen seines Heils gegen die vorhandene Heillosigkeit. …“

(Predigt, Kantatengottesdienst) „… ‚Die Rechte des Herrn behält den Sieg’. Die Rechte des Herrn – also der ausgereckte, starke Arm Gottes, mit dem er den feindlichen Mächten entgegentritt und sie niederwirft. Oft gebraucht die Bibel dieses Bild. Im Licht des Neuen Testaments darf man mit dieser ‚Rechten des Herrn’ noch mehr verbinden. Bezeugen wir nicht im Glaubensbekenntnis von Jesus nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt: ‚Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters’? Ja, dann ist er, Jesus, der Auferstandene und Erhöhte jetzt die rechte Hand Gottes. Er ist diese Rechte des Herrn, die den Sieg behält; er ist dieser hocherhobene starke Arm Gottes, der den Feind niederwirft.

So jedenfalls sieht es auch unsere Kantate, wenn sie nach dem Eingangschor in der Bass-Arie fortfährt: ‚Kraft und Stärke sei gesungen Gott, dem Lamme, das bezwungen und den Satanas verjagt, der uns Tag und Nacht verklagt. Ehr und Sieg ist auf die Frommen durch des Lammes Blut gekommen.’ …“

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