Erschreckend/beglückend

„Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern“ – Phil 2,12

Furcht und Zittern beschreibt hier m.E. gerade nicht die Angst: Kann ich, werde ich es schaffen? Werden meine Anstrengungen ausreichen? Werde ich je bestehen können im Gericht (Gottes)? Vielmehr geht es um Furcht und Zittern, das sich einstellt, wenn uns bewusst wird, dass wir von uns selbst aus eben rein gar nichts zustande bringen können für unsere Seligkeit, sondern total auf Gott und sein Wirken angewiesen sind.

Zugleich geht es dabei aber wohl auch um jene Befindlichkeit, die sich bei den Menschen einstellt, wenn sie die unfassbare Heilsmacht Gottes bzw. des kyrios Jesus in Anspruch nehmen und erfahren. In wörtlicher Übereinstimmung finden wir es so in der Perikope von der „blutflüssigen Frau“, die, nachdem sie Jesu Kleider berührt hatte, geheilt war: „Die Frau aber fürchtete sich und zitterte, denn sie wusste, was an ihr geschehen war“ (Mk 5,33). Zu vergleichen sind auch die in den Evangelien vielfach bezeugten Reaktionen der Menschen, wenn Jesus Heilungen vollbrachte: „Das Volk entsetzte sich“ (z.B. Matth 12,23) sowie die Reaktion der Frauen am Ostermorgen, als sie das Grab Jesu leer fanden und die Botschaft von seiner Auferstehung vernahmen: „Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich“ (Mk 16,8).

Dieses Verständnis der Stelle wird durch den unmittelbar folgenden Vers unterstrichen, der dem vorausgehenden nur scheinbar widerspricht, in Wirklichkeit tatsächlich die Begründung für Furcht und Zittern liefert: „Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen“.

(Predigt) „… Da haben sich für Martin Luther die Tore des Paradieses aufgetan, und durch diese Tore ist er mit Furcht und Zittern gegangen, wie Paulus hier schreibt, nämlich in der erschreckenden und zugleich beglückenden Erkenntnis: Ich bin nichts, aber Gott ist und tut alles für mich in Jesus Christus. …“

(Predigt) „… ‚Mit Furcht und Zittern’ – damit ist also auf der einen Seite ein leidiges Erschrecken über uns gemeint; auf der anderen Seite aber genauso, ja, noch mehr, ein freudiges Erschrecken über Gott und sein großes, unfassbares Tun an uns. …“

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