Verschränkung

„Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird“ – Mk 14,21

(Predigt) „… Wir gefallen uns vielleicht darin, Fragen zu stellen, auf die es keine Antwort gibt, jedenfalls keine Antwort von der Art, wie wir sie gerne hätten. Z.B.: Wenn Jesus nach Gottes Plan leiden und sterben sollte, dann musste der Verrat ja kommen und alles Weitere auslösen, dann konnte der Verräter doch gar nicht anders oder?

Jesus entlässt uns in seinem Deutewort nicht aus der Spannung. Er verbietet uns geradezu, die Dinge unserer Logik, unserer Vernunft zu unterwerfen. Es kann hier nur ein Doppeltes gesagt werden: Auf der einen Seite der von Gott vorgezeichnete Weg des Menschensohnes, der ins Leiden und Sterben führt; auf der anderen Seite die unvergleichliche Schuld des Menschen, der ihn verrät. … Jesus mutet uns ein Ja zu dieser unauflösbaren Verschränkung von göttlichem Ratschluss und menschlicher Schuld zu …“

Ein weiteres Beispiel für Verschränkung in diesem Sinn und die damit verbundene Zumutung findet sich in Röm 9,14ff. Paulus befasst sich mit der Verstockung des Pharao, der Israel nicht ziehen ließ. Paulus stellt fest: Diese zweifellos schuldhafte Verstockung war zugleich gottgewollt, ja gottgewirkt. Vers 17ff: „Denn die Schrift sagt zum Pharao (2 Mose 9,16): ‚Eben dazu habe ich dich erweckt, damit ich an dir meine Macht erweise …‘ So erbarmt er (sc. Gott) sich nun, wessen er will und verstockt, wen er will. Nun sagst du zu mir: Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst?“

 

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