Kirchen(all)tag

Der Fischzug des Petrus – Lk 5,1ff

(Predigt) „In der Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten am letzten Montag hat sich der Karikaturist der Zeitung mit dem Thema Kirchentag und Kirche beschäftigt. Seine Karikatur ist mir nachgegangen. Sie zeigt das Innere einer Kirche von der Orgelempore aus. Die Orgelempore über dem Eingang – so ist es ja in vielen Kirchen. Auf der Kanzel weit vorne steht ein Pfarrer und weist mit ausgestreckter Hand nach oben, zum Himmel. Im Vordergrund sieht man die Orgel und den Organisten. Der hat eine Zeitung in der Hand, auf der als Schlagzeile zu lesen ist: Über 100 000 beim Kirchentag in Leipzig. In den Kirchenbänken dazwischen verliert sich ein einziger Gottesdienstbesucher, eine ältere Frau. Unter dem Bild steht: Kirchenalltag. Die Silbe „all“ ist eingeklammert. Den Karikaturisten und seinen Witz kann ich nur bewundern. Erstklassig! Was er mit seiner Karikatur zum Ausdruck gebracht hat, ist freilich nicht so witzig. Sieht die Zukunft oder womöglich bereits die Gegenwart der Kirche tatsächlich so aus? Immer spärlicher besetzte und schließlich leere Kirchenschiffe? …

Frage: Wer ist eigentlich zu bedauern, wenn es so kommt mit der Kirche? Hat die Kirche selbst eben den Schaden, wenn es sie nicht mehr gibt? Soll sie doch vollends untergehen und verschwinden, mag mancher Zeitgenosse gleichgültig oder auch schadenfroh denken.

Könnte es auch so sein, dass das ganze Volk der eigentlich Geschädigte wäre? Unser Volk mehr und mehr gegen die Kirche und schließlich ohne Kirche – gab’s das nicht schon mal, und wohin hat es geführt? Könnte es sein, dass, wenn es so kommt, die eigentlich Geschädigten und zu Bedauernden die Masse der hier lebenden Menschen sein werden, sie alle, denen dann niemand mehr sagt, wo sie ihr Heil wirklich finden können; sie alle, die dann kein Gebot und keine Verheißung Gottes mehr kennen; sie alle, die dann hilflos der Sünde ausgeliefert sind und allen bösen Mächten, die Unglück und Zerstörung bringen; sie alle, die dann keine Zuflucht mehr haben beim Vater im Himmel und beim Heiland der Welt?

Die Botschaft vom Fischzug des Petrus spricht glücklicherweise eine andere Sprache als die düsteren Zukunftsprognosen, die unter uns laut werden. Die Karikaturisten zeichnen bereits leere Kirchenschiffe. Aber hier, liebe Gemeinde, in dieser Botschaft vom Fischzug des Petrus, in der es um die Zukunft der Kirche geht, ist von einem Fang die Rede, der die Netze zum Zerreißen bringt und von Schiffen, die so voll geladen sind, dass sie fast sinken. Ein Wunder ist’s, das unser Herr Jesus Christus tut. …“

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