Erstgeburt/Gottesrecht

Isaaks Opferung – 1 Mose 22

(Predigt) „… Hat Gott eigentlich das Recht, so etwas Ungeheuerliches zu fordern? Beim Nachlesen in der Bibel ist mir wieder aufgefallen: Es gibt ein uraltes Gottesrecht, das für Israel gilt und mehrfach bezeugt ist im Alten Testament. Gott spricht später zu Mose: ‚Heilige mir alle Erstgeburt bei den Israeliten; alles, was zuerst den Mutterschoß durchbricht bei Mensch und Vieh, das ist mein.’ Gott, der Geber aller guten Gaben, vor allem des Lebens, fordert jeweils die Erstlinge für sich ein; so will er als der Geber geehrt werden. Die Ausführungsbestimmungen dazu lauten dann so, dass die erstgeborenen Tiere tatsächlich geopfert werden sollen; die Erstgeborenen bei den Menschen dürfen und sollen ausgelöst, d.h. durch ein Tieropfer ersetzt werden. – Hier aber bei Abraham scheint Gott damit ernst machen zu wollen, dass der erstgeborene Sohn ebenfalls geopfert werden soll, auch wenn es der einzige ist. Und Abraham ist bereit, es zu tun. Gott allein die Ehre! … …

Wie eine Glaubensprüfung heute aussehen kann, mag folgende Geschichte verdeutlichen: Da war eine Bauersfrau auf der Alb, verwitwet. Sie hatte ihren Mann 1918, am letzten Tag des 1. Weltkriegs in Frankreich verloren. Nun stand sie mit fünf Söhnen – der älteste war 14 – und einem Hof da. Von den fünf Söhnen haben später vier geheiratet. Der fünfte, der jüngste, hatte den inneren Ruf, er brauche nicht zu heiraten, er sei ganz für seine Mutter da. Und so bedeutete er ihr besonders viel. Er war ihr offensichtlich von Gott geschenkt, dieser Kriegerwitwe, die ihr Leben lang hart zu arbeiten hatte. Zu Beginn des 2. Weltkriegs 1939 zogen alle fünf Söhne in den Krieg – und nur dieser jüngste kehrte nicht zurück. Als die Mutter gefragt wurde: Was bedeutet das für Sie? sagte sie: ‚Ich hing zu sehr am Jüngsten, da wollte Gott mich prüfen.’ Bei allem Kummer, den diese Frau erlitt, übte sie sich doch im Glauben, in jenem Glauben, den Abraham vorgelebt hat. Sie war offen für die Lehre, wie sie auch Abraham zu lernen hatte: Sich, wenn es sein soll, auch von dem, was Gott gegeben hat, wieder zu lösen und erneut allein auf den Geber zu vertrauen. …“

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