Lammfromm

„Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ – Joh 1,29

(Predigt) „… Gott ist dieser Welt zum Heil erschienen in Jesus, und Jesu Wesen und Weg ist das Wesen und der Weg des Lammes. Die Art des Lammes ist sprichwörtlich in der Welt. So haben wir zum Beispiel den Ausdruck ‚lammfromm’ gebildet und wissen wohl, was damit gemeint ist. In diesem Jahr 1995 werden die Älteren unter uns sich immer wieder vergegenwärtigen, wie es vor 50 Jahren war, in den letzten Kriegsmonaten und danach.

Zu meinen Erinnerungen gehört auch folgendes: Zu dem Haus, in dem wir wohnten in Herrenberg, gehörte ein großer Hinterhof und eine Scheune. Dort ließen sich Marokkaner nieder. Es war für mich als kleinen Jungen faszinierend, ihrem Treiben zuzuschauen. Zu den aufregendsten Vorgängen gehörte es, wenn sie schlachteten. Sie hielten sich ständig Schafe. Noch heute sehe ich vor mir, wie die Schafe einfach stillhielten und sich praktisch ohne jede Re­gung die Kehle durchschneiden ließen. Lammfromm. Ich war fassungslos.

Liebe Gemeinde, das ist die Art und der Weg des Lammes. Der Gott der Bibel hatte es schon immer mit den Lämmern, den Opferlämmern. Einst in Ägypten, in der Passahnacht, in der Nacht der Befreiung Israels, als für jede Familie ein Lamm geschlachtet wurde und sein Opferblut, an die Türpfosten gestri­chen, die Israeliten schützte. Es war ein fehlerloses, männliches, einjähriges Tier von den Schafen oder Ziegen. In all den Jahr­hunderten, in denen der Tempel in Jerusalem stand, wurden für Israel dort jährlich die Passa-Lämmer geschlachtet. Ja, es wurden darüber hinaus jahraus, jahrein täglich zwei Lämmer geopfert, morgens und abends.

Der Gott der Bibel hatte es schon immer mit dem einen Opferlamm, mit dem Lamm Gottes. Jesaja weis­sagte von ihm: ‚Der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.’ Und wenn der Gott der Bibel mit seinem Rettungswerk vollends zum Ziel kommt, wie es im Buch der Offenbarung angesagt wird, dann steht das Lamm im Mittelpunkt, das Lamm, das geschlachtet ist und gerade deshalb nun alle Herrlichkeit hat und den Thron mit Gott teilt. Es steht im Mittelpunkt bis hin dazu, dass die Hochzeit des Lammes gefeiert wird. Die Braut des Lammes ist das neue Jerusalem, die neue Gottesstadt, die vollen­dete Gemeinde. So wird es im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung bezeugt.

Die Art des Lammes zeigt sich gleich zu Beginn des Wirkens Jesu darin, dass er sich als erstes zusammen mit all den anderen nun taufen lässt. Er stellt sich zu uns Verlorenen, die den Zorn Gottes fürchten müssen. Er beugt sich unter die Sünde der Welt und geht für uns im Taufwasser unter, ein vielsagender Hinweis, ja, das einschlägige Vorzeichen für den Weg, den er gehen wird. Es wird der Opfergang eines unschuldigen und unbefleckten Lammes sein. …“

(Predigt) „… Liebe Gemeinde, ist etwas dran an der heute weit verbreiteten Meinung, man könne in allen Religionen ungefähr das Gleiche finden? Ich möchte wissen, wo in aller Welt, in welcher der Religionen wir von der jeweiligen Gottheit etwas zu hören bekommen, was auch nur entfernt an das hier herankommt. Wo in aller Welt kann sich der Mensch in ein Gebet flüchten, sich in ein Gotteslob bergen, das auch nur entfernt an unser altkirchliches Agnus Dei herankäme, den Höhepunkt des Messgottesdienstes, den Höhepunkt der Abendmahlsfeier? Agnus dei, qui tollis peccata mundi, miserere nobis, da nobis pacem. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser, gib uns den Frieden. …“

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