Unansehnlich

„Schatz in irdenen Gefäßen“ – 2 Kor 4,7

Die Aussage des Apostels Paulus taugt nicht als Rechtfertigung bzw. Entschuldigung für Unzulänglichkeiten und Mängel bei der Realisierung der aufgetragenen christlichen Existenz. Charakterliche Schwächen, Versagen usw. werden durch diese Aussage nicht gedeckt. „Wir sind doch alle bloß Menschen und damit fehlbar, irdisch fehlbar“ – das ist an dieser Stelle nicht gemeint. Es geht in der Aussage des Paulus nicht um irdische, sondern um irdene, also zerbrechliche Gefäße.

Die „irdenen Gefäße“ beziehen sich vielmehr auf die Leidenssituationen, durch die Jesu Jünger gehen, in die sie als seine Nachfolger u.U. notwendigerweise kommen: „Wir sind von allen Seiten bedrängt …“, „wir leiden Verfolgung …“, „wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe …“. Nachfolge Jesu führt in die äußere Zerbrechlichkeit, gerade bei denen, die sehr stark und konsequent im Nachfolgen sind, wie z.B. Paulus. Der Apostel litt dazu hin an einem schlimmen vermutlich körperlichen Gebrechen, das ihn geradezu teuflisch plagte: Paulus spricht von „des Satans Engel“. „Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2 Kor 12,9).

(Predigt) „… ‚Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.’ Was wir als Käufer und Konsumenten oft erleben, wird hier umgekehrt. Als Käufer und Konsumenten haben wir es oft mit glänzenden Verpackungen zu tun, die uns anmachen und zum Zugreifen verlocken. Die Ware selbst ist dann u.U. gar nicht so großartig, vielleicht sogar minderwertig. Hier ist es umgekehrt. Der größte Schatz präsentiert sich uns in unansehnlicher Verpackung, in unansehnlicher Gestalt, in irdenen, in tönernen Gefäßen. Gemeint ist die Lebensgestalt der Menschen, die diesen Schatz in sich tragen und weitergeben.

Paulus selber ist das Paradebeispiel dafür. Jesus Christus persönlich, der auferstandene, erhöhte Herr hat ihm den Schatz der Schätze anvertraut, das Evangelium, die Heilsbotschaft Gottes von der Sendung seines Sohnes. Aber das Bild, das dieser Paulus abgibt, ist alles andere als glänzend. Ständig ist er in Bedrängnis, nicht zuletzt auch gesundheitlich. Laufend kommt er in Situationen, in denen er nicht mehr weiß, wie es weitergehen wird mit ihm. Ständig hat er mit Anfeindung durch Gegner und auch mit Verfolgung zu tun. In seinen Auseinandersetzungen erlebt er Niederlagen und Niederschläge. Und das soll nun der große Apostel sein, der im Dienst des Herrn aller Herren steht? Ja, Paulus hatte immer wieder einen schweren Stand. Es gab Konkurrenten, Stars, Super-Apostel, die mit ihren Auftritten glänzten, die durchaus ihre Gesundheit, ihr unangefochtenes Leben als Ausweis ihrer Bevollmächtigung präsentierten. Wo bleibt bei Paulus die glanzvolle göttliche Beglaubigung?

Paulus ist sich dennoch seiner Sache ganz sicher! Es muss so sein, stellt er fest. Es muss klar werden, dass die gewaltigen Wirkungen des Evangeliums nicht von Menschen herkommen, sondern von Gott. Der Mensch, der diesen Schatz überbringt, muss ganz in den Hintergrund treten. Die Empfänger und Nutznießer des Schatzes sollen Gott allein rühmen und niemals einen Menschen.

Im übrigen kann Paulus durchaus darauf verweisen, dass Gott zu ihm steht: In aller Bedrängnis, die er erleidet, verbleibt ihm doch immer noch genug Lebensraum. Bei aller Bangigkeit, die ihn befällt, muss er doch nie wirklich verzagen. In allen Anfeindungen und Verfolgungen erfährt er doch auch immer wieder, dass er weder von Gott noch allen Menschen verlassen ist. Und alle Niederlagen und Niederschläge haben ihn nicht umbringen oder dienstunfähig machen können. Ja, er wagt es und sagt: ‚Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe’. Gerade das ist meine Beglaubigung als Apostel, dass das Bild, das ich abgebe, dem Bild des leidenden Herrn ähnelt. Aber das Ziel dabei ist dieses, dass auch das Leben Jesu, die Herrlichkeit des Auferstandenen an meinem Leib offenbar wird. …“

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