Die Bergpredigt Jesu

Matth 5 – 7

„Als Jesus aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: …“

Die Bergpredigt ist nach meiner Auffassung Jünger-Lehre und Lebensordnung für die Gemeinde, die sich um Jesus Christus sammelt und ihn zum Herrn hat. Außerhalb seines Herrschaftsbereiches sind die Weisungen der Bergpredigt nicht anwendbar. Vgl. Bismarck: „Mit der Bergpredigt kann man keinen Staat regieren.“ Oder Bundeskanzler Helmut Schmidt: „Ein Einzelner kann für sich sagen: Ich will ohne Rüstung leben. Ein Staat kann das nicht.“

Bereits die alttestamentliche Lebensordnung, die Torah, das Gesetz Moses ist eine Lebensordnung für Israel, für das Volk Gottes, nicht einfach für jedermann. So weist ja die gesamte erste Tafel der 10 Gebote (1. bis 3. Gebot nach lutherischer Zählung) das rechte Verhalten gegenüber Gott an, gegenüber dem Gott Israels und dem Vater Jesu Christi, Anweisungen also für eine Gemeinschaft von Menschen, die Gott kennen bzw. denen Gott sich offenbart hat!

Erst recht gilt das für die Bergpredigt. Die Gemeinde Jesu ist aufgerufen, nach den Weisungen der Bergpredigt zu leben, und sie wird von ihrem Herrn in die Lage versetzt, dies auch zu tun – z.B. von Vergeltung abzusehen, die Feinde zu lieben usw. Für die Welt, die noch nicht unter seiner Herrschaft steht, wären das unsinnige Zumutungen.

Christen sind tatsächlich aufgerufen und dazu bestimmt, sich nicht selbst zu rächen (was nicht bedeutet, auf ihr Recht zu verzichten; sie überlassen es vielmehr Gott, für ihr Recht zu sorgen – Röm 12,19), ihren Feinden wohl zu tun und generell das Böse mit Gutem zu überwinden. Das sind Vorzeichen einer künftigen vom Bösen erlösten Welt.

So bekräftigt auch Paulus in Röm 12,17ff die entsprechenden Aussagen in der Bergpredigt Jesu. Interessanterweise ruft er im unmittelbaren Anschluss an diese Aussagen in Röm 13,1ff jedermann dazu auf, der jeweiligen (weltlichen) Obrigkeit untertan zu sein und stellt von dieser Obrigkeit fest: „Sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut“ (13,4). Demnach haben in der Welt, die noch nicht unter Christus steht, die Regierungen den gottgegebenen Auftrag, unter Einsatz ihrer Machtmittel für Recht zu sorgen und so das Böse einzudämmen. Ähnlich 1. Petr 2,13ff.
Vgl. Theologische Erklärung der Bekenntnissynode von Barmen, 1934, These 5 (s.u.)

Entscheidend für das Verständnis dieser Zusammenhänge ist die neutestamentliche, von Luther ausformulierte „Zwei-Reiche-Lehre“.

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