Inszenierung

Jesu Einzug in Jerusalem – Matth 21,1ff

(Predigt) „… Man hat von Jesus schon gesagt, er habe eigentlich aus sich selbst gar nichts in diesem Sinn machen wollen und habe auch nichts davon gewusst. Er habe nur Gottes Gebot und Verheißung mit besonderer Vollmacht verkündigt und gelehrt, etwa in der Linie der Propheten, die vor ihm in Israel aufgetreten sind. Erst Spätere hätten seine Gestalt dann überhöht und aus ihm den Messias, den Gottessohn usw. gemacht. ‚Jesus, der Pro­phet aus Nazareth in Galiläa’, so beantwortet ja auch die Menge in unse­rer Geschichte am Schluss die Frage des in Aufregung gera­tenen Jerusalem: ‚Wer ist der?’

Liebe Gemeinde, diese Menschen, die Jesus als Propheten bezeichnen, getrauen sich einfach nicht, mehr von ihm zu sagen, weil man es nicht beweisen kann; weil das Große an Jesus so anders ist, als man denkt, und so verborgen, und weil Jerusalem in dieser Hinsicht ein gefährliches Pflaster ist, wie sich dann noch früh genug herausstellen wird. Aber was vorausgeht, was bei diesem Einzug in Jerusalem vorausgeht, spricht eine andere Sprache. Jesus hat sich nach dreijährigem Wirken in Galiläa auf den Weg nach Jerusalem gemacht. Seine Jünger begleiten ihn. Eine wachsende Menge folgt ihm. Das alles ließe sich noch einigermaßen mit der Rolle erklären, die Propheten spielen. Aber warum geht Jesus, als er Jerusalem vor sich hat, nicht einfach weiter und betritt die Stadt auf normalem Weg? Warum ergreift er die Initiative und bereitet alles für einen feierlichen Einzug vor, wie er nur einem König gebührt? Warum inszeniert er geradezu diesen Einzug? Antwort: Weil er es ist, und weil er will, dass das nun herauskommt.

Wie lässt sich erklären, dass Menschen ihre Tiere rekrutieren lassen, sie ohne weiteres sofort zur Verfügung stellen – auf die Auskunft hin, dass der Herr ihrer bedarf? Antwort: Weil Jesus der Herr ist – nämlich Gott, der Herr, ja, wahrer Gott und wahrer Mensch. Noch viel weniger als ein Herr dieser Welt muss er fragen, wenn er etwas braucht. Einem König steht es zu, über Hab und Gut seiner Leute für übergeordnete Zwecke zu verfü­gen. Erst recht steht das diesem König zu, und ihm ist man selbstverständlich und gern zu Diensten mit dem, was man hat…. …

Fehlt nur noch der rote Teppich, der den Größten dieser Erde vorbehalten ist, wenn sie ankommen und einziehen. Den be­kommt Jesus nicht. Aber bekommt er nicht etwas Besseres, wenn die Menschen ihre eigenen Kleider nehmen und sie vor ihm auf die Straße legen? Bekommt er nicht etwas Besseres, wenn die Menschen Zweige von den Bäumen hauen und damit die Straße bestreuen? Jesus lässt es zu. Es ist ihm recht, wenn die Menschen ihn mit ihren persönlichen Habseligkeiten und mit ihrem eigenen Bemühen ehren und willkommen heißen.

Er lässt noch mehr zu! Er lässt zu, dass man ihm die Huldigung darbringt, die nur einem zusteht in der Heilsgeschichte! Die Huldigung, wie sie geschrieben steht im 118. Psalm: ‚Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe.’ ‚Hosianna’ – o hilf doch, Heilsruf für den gottgesandten Helfer. ‚Sohn Davids’ – Ehrentitel des Heils-Königs, der aus dem Geschlecht Davids hervorgehen wird. ‚Der da kommt im Namen des Herrn’ – so kommt nur einer, der Messias!


So will er auch von uns erwartet und königlich empfangen werden. Nichts ist zu gut für ihn, womit wir ihn ehren. Keine Huldigung, die wir ihm darbringen, greift zu hoch. Jesus, von dir erhoffen wir uns alles, was uns fehlt. Jesus, von dir erhoffen wir uns Vergebung unserer Sünden und Heilung unserer Gebrechen. Jesus, von dir erhoffen wir uns Frieden auf Erden, Leben und Seligkeit. König Jesus, komm und halte Einzug auch bei uns – damit uns geholfen ist in Zeit und Ewigkeit. Amen.“

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