Gott anthropomorph

So wie Gott in der Bibel beschrieben wird, ist er in gewissem Sinn tatsächlich ein anthropomorpher Gott, ein „menschenförmiger“ und damit auch ein lebendiger Gott, ganz und gar keine unbewegte höhere Macht. Schon auf den ersten Seiten der Bibel wird klar: Er ist ein Gott, der spricht und befiehlt (Schöpfung); ein Gott der sich Besonderes vornimmt (Erschaffung des Menschen); ein Gott, der sich eines Besseren besinnt – nachdem die Tiere kein adäquater Partner für Adam sind, erschafft Gott die Frau (1 Mose 2,20ff); ein Gott, der die Menschen zur Rechenschaft zieht, ihnen Lasten auferlegt und sie zugleich versorgt (Sündenfall). Er ist ein Gott, den es angesichts der menschlichen Bosheit reut, die Welt erschaffen zu haben; er lässt ein Gottesgericht über sie kommen und rettet zugleich Mensch und Tier in einen neuen Anfang hinein (Sintflut, Noah). Er ist ein Gott, der einzelne Menschen beruft und sie auf einen besonderen Weg nimmt, später ein ganzes Volk (Abraham/Israel). Er ist ein Gott, der sich erbitten, ja, gerade zu mit sich handeln (Abrahams Fürbitte für Sodom 1 Mose 18,22ff, Hiskias Genesung 2 Kön 20,1ff) und sich durch aufrichtige Buße und Reue umstimmen lässt (Jona). Usw.

Vor allem: Er ist ein Gott, der sich in seinem Heilswillen und Heilshandeln für Menschheit und Welt ständig steigert und dabei schließlich bis zum Äußersten geht. Beim Neuanfang mit Noah gibt Gott für den Weltlauf eine Bestandsgarantie ab, obwohl sich nichts daran geändert hat, dass „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse (ist) von Jugend auf“ (1 Mose 6,5 und 8,21f). Seinem auserwählten Volk Israel muss er einerseits Gerichte androhen und diese auch heraufführen. Andererseits lässt er die Propheten eine umfassende Heilszeit für sein Volk (und die ganze Welt) als seinen abschließenden Ratschluss ankündigen.

Gott ist vor allem und ganz wörtlich ein menschenförmiger Gott, wenn er schließlich in Jesus „Knechtsgestalt“ annimmt, „den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt (wird)“ (Phil 2,7). Es ist die letzte und unüberbietbare Steigerung seines Heilswillens und Heilshandelns: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab …“ (Joh 3,16). Er ist in seiner Liebe zur Welt bis zum Äußersten gegangen.

Die in Jak 1,17 angesprochene Veränderung gibt es beim Gott der Bibel allerdings nicht: „ … bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis“. Es ist undenkbar, dass aus dem „Vater des Lichts“ eine Macht der Finsternis werden könnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.