Busenfreund

„Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“- Joh 1,17f

(Predigt) „… Als ich kürzlich mit meiner 80jährigen Mutter an dieses Wort kam, sagte sie ganz spontan und mit sichtlicher Erleichterung: ‚Ja, Gott sei Dank!’ Das Gesetz, Mose: großartig, göttlich; Gottes heiliger Wille; Gottes gute Lebensordnung für sein Volk – gültig in alle Ewigkeit. ‚Du sollst – du sollst nicht.’ Aber zugleich auch bedrohlich, beängstigend. Das Gesetz hilft uns nicht, so zu leben, wie es recht ist. Es sagt uns nur, wie es sein soll; es gebietet uns; es fordert. Und wenn wir nicht tun, was es sagt, spricht uns das Gesetz schuldig. Das ist unsere Lebenswirklichkeit, solange wir unter dem Gesetz sind. Wir sind Schuldiggesprochene. Wer waren wir, dass wir zeitweilig meinten, uns auf das Gesetz einlassen zu können und ihm zu genügen? … Im Licht Jesu erkennen wir, dass wir unter dem Gesetz in Wirklichkeit nur unsere Verlorenheit zu spüren bekommen.

Aber nun ist das Gesetz überboten worden und in seiner Funktion als Heilsgabe abgelöst worden durch die Gnade und Wahrheit. Nun ist Mose abgelöst worden von Jesus Christus – Gott sei Dank! Nun wird unsere Lebenswirklichkeit von der Gnade bestimmt – Gott bringt uns in Jesus Christus zurecht, er bringt alles in Ordnung, er macht allen Schaden wieder gut, er heilt alles. Und damit ist nun endlich auch Wahrheit gegeben, das, worauf unbedingt Verlass ist. Wir könnten auch so sagen: Jesus Christus, und was er bringt, das ist im Vergleich zum Gesetz und Mose das Wahre! Das einzig Wahre! Eine der jungen judenchristlichen Gemeinden in Israel, die ich kennengelernt habe, hat sich diesen Namen gegeben: ‚Gnade und Wahrheit’. Dieser Name hat natürlich dort seine besondere Bedeutung. Denn diese Gemeinde lebt inmitten eines Judentums, das bis jetzt nichts Höheres kennt und anerkennt als das Gesetz und als Mose.

‚Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.’ Mein Konfirmationsspruch in einer etwas anderen Übersetzung. … Gesagt ist damit, dass Gott und seine Welt für uns erst einmal absolut unzugänglich geworden sind. Gesagt ist damit auch, dass wir erst einmal nicht wissen können, wie Gott zu uns steht, dass wir bangen müssen, woran wir bei ihm sind, was uns von ihm her erwartet. Aber nun ist der Sohn zu uns gekommen in Jesus Christus. Der Sohn, der Gott zum Vater hat und in des Vaters Schoß ist, wörtlich, der im Gewandbausch des Vaters ist, der seinen Kopf an der Brust des Vaters liegen hat – das ist so ähnlich wie wir es mit dem Ausdruck ‚Busenfreund’ beschreiben. Also: dieser Sohn ist vollkommen vertraut mit dem Vater, er hat ständig Einblick in sein innerstes Wesen, er hat sein Ohr am Herzen des Vaters. Authentischer kann keiner Auskunft über Gott geben als er. Und er hat uns verkündigt, was von Gott zu verkündigen ist. Er hat uns erklärt, was über Gott zu erklären ist. Er hat mit seinem Kommen ein- für allemal klargemacht, wie Gott zu uns steht. …“

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