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„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr“ – Jes 55,8

Obwohl eigentlich alles klar ist, will ich doch darauf hinweisen: Gott hat es nicht darauf angelegt, die Gedanken und Wege der Menschen und damit ihre Hoffnungen und Wünsche zu durchkreuzen und zunichte zu machen. So könnte man diese Worte missverstehen, wenn man sie isoliert betrachtet und die Fortsetzung außer Acht lässt. Ich erinnere mich an ein in diesem Sinn schreckliches Gedicht, schwäbisch: „Wenn’s ’m Herrgot net passt …“.

Die Fortsetzung bei Jesaja lautet: „Sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken …“. Es handelt sich also um eine Trostbotschaft. Mit diesen Versen endet der „Zweite Jesaja“, das „Trostbuch“, das mit Kapitel 40 beginnt: „Tröstet, tröstet mein Volk“. Und hier, in Kapitel 55 heißt es im vorletzten Vers: „Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und in Frieden geleitet werden.“ Vgl. Jer 29,11: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens (‚schalom’) und nicht des Leides …“.

Der Christ, die christliche Gemeinde kann also nicht hoch genug von den Wegen denken, die Gott mit ihr zu gehen vorhat, entgegen den düsteren Gedanken und Wegen, mit denen sie selbst immer wieder umgeht. Vgl. Paul Gerhardt: „… wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat“ (EG 361,8). In diesem Zusammenhang ist mir auch eine Devise unvergesslich, die ein Pfarrer in einem Konfirmationsgottesdienst zu DDR-Zeiten in Quedlinburg ausgegeben hat: „Liebe dein Schicksal, denn es ist Gottes Weg mit dir.“

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