Löwenhaft/Messiasgeheimnis

Die Heilung eines Aussätzigen – Mk 1,40ff

(Predigt) „… Das erste Kapitel des Markus-Evangeliums zeigt uns Jesus zu Beginn seines Wirkens, und es ereignen sich sofort aufsehenerregende Heilungswunder: an einem besessenen Menschen, an der Schwiegermutter des Petrus, die an einem Fieber darniederlag und noch an vielen Kranken und Besessenen, die man zu ihm bringt. Das Symbol des Markusevangeliums ist der Löwe. Löwenhaft geht Jesus gegen die Dämonen und Krankheitsmächte vor und vertreibt sie durch seine Heils-Macht. Den Abschluss und in gewisser Weise Höhepunkt dieser ersten Erfahrungen mit Jesus bildet die Heilung eines Aussätzigen, die besonders ausführlich geschildert wird. …

Unsere Geschichte hat noch eine Fortsetzung, einen zweiten Teil, der uns anleitet, mit solchen Ereignissen richtig umzugehen. ‚Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: sieh zu, dass du niemandem etwas sagst.’ Um Himmels willen – was soll denn das nun? Gerade das Gegenteil hätten wir erwartet. Jesus hätte von dem Geheilten erwarten können, dass er nun mindestens bis auf weiteres bei ihm bleibt. Statt dessen droht er ihm und jagt ihn weg. Wie gut hätte Jesus mit diesem Fall Werbung machen können für sich und seine Sache. Statt dessen verbietet er ihm, davon zu reden. Warum bloß?

Ein Missverständnis liegt in der Luft, wenn es zu solchen Wunderheilungen kommt, und Jesus muss alles tun, um dieses Missverständnis abzuwenden. Das Missverständnis besteht darin, dass die Menschen in ihm nur noch den Wundertäter sehen und kein Auge mehr haben für seine eigentliche Mission. Die Heilungstaten, die er vollbringt, sind gewiss sein Werk, wie nur er es (sie) tun kann; aber sie können vorerst nur Zeichen sein, Vorzeichen für das, was einmal sein wird in seinem Reich, wenn er es vollenden wird und was an allen geschehen wird, die dazugehören. Zuvor muss er der Welt und den Menschen noch einen anderen Dienst, einen andersartigen Dienst tun, einen Dienst, den wir nicht so leicht verstehen, und der doch der entscheidende ist. Er muss uns zugute ins Leiden gehen, in den Tod. Und was er da vollbringt, auf seinem Weg ans Kreuz, das ist das eigentliche, das größte Gotteswunder, das heilschaffende Gotteswunder an dieser Welt, die Grundlage für alle Heilungswunder, die er davor und danach an Menschen tut. …“

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