Nicht den Armen!

„Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit“ – die Salbung in Bethanien – Joh 12,1ff parr

Als leitbildstiftende Parole für die Kirche und ihre Sendung wird gerne die „Option für die Armen“ beschworen. Das wird in dieser Perikope zurechtgerückt. Maria „verschwendet“ ein überaus kostbares Salböl an den, der tatsächlich der Gesalbte, der „Christus“ ist, so dass „das Haus … erfüllt (wurde) vom Duft des Öls“. Es ist im Sinn Jesu, wenn wir uns die Würdigung seiner Messianität und seine Verehrung nicht nur etwas, sondern sehr viel kosten lassen (beispielsweise in Gestalt eines aufwendigen Kirchenbaus oder kostbarer liturgischer Geräte) und dafür alles andere zurückstellen, auch die Armenfürsorge.

Es ist durchaus auch im Sinn Jesu, für die Armen zu sorgen. Es ist aber nicht im Sinn Jesu, wenn die Aufwendungen, die seine Glorie versinnbildlichen, stattdessen den Armen zugedacht werden, wie Judas es haben will.

Das hier anklingende Gegenüber lässt sich im übrigen noch so fortsetzen: Brot für die Welt anstatt Evangelium für die Welt, Sozialarbeit anstatt Verkündigung, Entwicklungshilfe anstatt Mission – das alles wäre nicht im Sinn Jesu. Wo solche Konzepte geschmiedet werden, ist etwas faul, ist möglicherweise Verrat und Eigennutz im Spiel („Judas …, der ihn hernach verriet …; … er war ein Dieb“).

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