70 Jahre babylonische Gefangenschaft/70 Jahre Kommunismus Kyros/Gorbatschow

Man darf sicherlich nicht zu viel dahinter suchen. Aber aufgefallen ist es mir schon. Jeremia prophezeit den Weggeführten seines Volkes eine 70jährige Dauer ihrer Gefangenschaft in Babylonien. Dann, „so spricht der Herr … will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort (sc. ins Land Israel) bringe (29,10).“ Tatsächlich kam es dann auch so. Und zwar „erweckte der Herr – damit erfüllt würde das Wort des Herrn durch den Mund Jeremias – den Geist des Kyrus, des Königs von Persien, dass er in seinem ganzen Königreich mündlich und auch schriftlich verkünden ließ: … Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben und hat mir befohlen, ihm ein Haus zu bauen zu Jerusalem in Juda. Wer nun unter euch von seinem Volk ist, mit dem sei der Herr, sein Gott, und er ziehe hinauf (2 Chron 36,22f = Esra 1,1ff)“. Auch beim zweiten Jesaja erscheint Kyrus als ein besonderes Werkzeug Gottes zugunsten des Gottesvolks (Jes 44,28); ja, er erhält dort geradezu messianische Züge (45,1).

Man kann wohl das Jahr 1919 als den Beginn der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa und damit als den Beginn einer besonders schweren Leidenszeit der dort lebenden Christen ansetzen. Es ist doch einigermaßen erstaunlich, dass es exakt nach 70 Jahren, 1989, zur großen Wende im gesamten Einflussbereich des osteuropäischen Kommunismus kam und damit vor allem auch zum Ende der Unterdrückung und Verfolgung der Christen. Ebenfalls erstaunlich ist, dass es auch jetzt der führende Mann an der Spitze dieses Systems war, der diese Wende einleitete und – zur Verblüffung der ganzen Welt – mit allen Konsequenzen durchzog, Michail Gorbatschow. Wurde er damals nicht geradezu als Messias gefeiert?

Gorbatschow hat übrigens einmal sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Papst Johannes Paul II entscheidenden Anteil daran hatte, dass sich die Dinge so entwickelten. Ohne ihn, so sagte Gorbatschow, wäre es nicht so weit gekommen. Man darf also vielleicht davon ausgehen, dass „der Herr, der Gott des Himmels“ möglicherweise schon mit der Wahl des Polen Karol Wojtyla zum Papst die Weichen dafür gestellt hat, dass zum richtigen Zeitpunkt der „Geist“ eines Gorbatschow und anderer mit ihm „erweckt“ werden und die Christenheit ein wundersames Ende ihrer Gefangenschaft im Kommunismus erleben konnte.

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