Don’t worry, be happy

Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? …“ – Matth 11,3

(Predigt) „… Besonderen Grund, Ärgernis zu nehmen, hatte sicherlich Johannes der Täufer. Er, der Vorläufer. Er, der die Menschen zur Buße rief, weil nun das Reich Gottes nahe sei. Er, der die Menschen im Jordan taufte zum Zeichen dafür, dass sie rein und neu werden wollten. Er, der die Menschen auf den Großen vorbereitete, der nach ihm kommen sollte und diesen Kommenden als den Heilsbringer ausrief, aber auch als den strengen Richter über die, die sein Heil nicht annehmen. In Jesus hatte er diesen Kommenden erkannt, und der hatte sich seltsamerweise von ihm taufen lassen. Nun saß Johannes im Gefängnis, weil er sich nicht gescheut hatte, auch dem König ins Gewissen zu reden, der in einer ehebrecherischen Beziehung lebte. Täglich musste er mit seiner Exekution rechnen.

Aber inzwischen hatte ja Jesus zu wirken begonnen. Es waren tatsäch­lich Werke des Christus, Werke des Messias, von denen Johan­nes hörte. Nun durfte auch er wieder hoffen! Was waren seine Fesseln, was waren noch so tiefe Verliese, was waren schwerbe­waffnete Wachen? Für den Christus mit der Gewalt des Welten­richters ein Kinderspiel! Es war sicherlich nur noch eine Frage der Zeit, dass er die anhaltende Bosheit des Herodes ans Licht bringen und ihn seiner verdienten Strafe zuführen würde.

Aber – nichts dergleichen geschah! Je mehr ihm vom Wirken Jesu ins Gefängnis berichtet wurde, desto bitterer wurde es für ihn: denn das Christus-Werk, auf das er besonders wartete, blieb aus, das Gericht über die Gottlosen, vor allem über die gottlosen Machthaber, und die Befreiung und Rehabilitierung ihrer Opfer.

Ich muss an die Verfolgten dieser Erde denken, vor allem an die, die als Christen Unrecht leiden, z.B. im Sudan. Für sie haben wir an mehreren Sonntagen dieses Jahres gespendet. Wird’s ihnen nicht ähnlich gehen wie dem Täufer? Werden sie nicht bitter werden, wenn sich gar nichts ändert? Werden sie nicht irre werden an Jesus, dem sie sich anvertraut haben, und der doch angeblich ‚Heil und Leben’ mit sich bringt? Und wie geht’s uns selber, wenn wir uns zurückgesetzt sehen, wenn uns von anderen übel mitgespielt wird, wenn wir uns um unser Recht gebracht sehen? Warum greift er, unser Herr nicht ein? Warum schlägt er nicht mächtig drein? Wie kann er uns und andere so sitzen lassen? … …

Und dann folgt der zweite Teil der Antwort Jesu. Wir hören sie noch einmal: Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert. Da zeigt sich: Jesus hat verstanden. Damit geht er ja nun ausdrücklich auf unser Problem ein. Er greift damit all das auf, was uns an ihm und seiner Sendung irre machen will. Und er zeigt uns die Lö­sung, es gibt nur eine. Und die weist so ein bisschen in die gleiche Richtung, wie unsere Redensart: Nicht ärgern, nur wundern oder wie der Schlagertext: don’t worry, be happy. Für einen Johannes den Täufer, für jeden, der auch nur entfernt in ähnlicher Lage wie er sich befindet und vergeblich auf Abhilfe gehofft hat, sicherlich leichter gesagt als getan. Aber Jesus verspricht dem, der sein Wort befolgt und es tut, Seligkeit. Er verspricht es allen, die sich auf diesen Lernprozess einlassen und schließlich ein Ja dazu finden, dass Jesus nicht als Richter gekommen ist, noch nicht, sondern erst einmal und ausschließlich, um die Welt zu retten. Ein Ja dazu, dass er selbst dem Unrecht, das ihm angetan wird, nicht widerstehen, sondern es erleiden wird, und dass gerade dies einen wesentlichen, ja, sogar den wichtigsten Teil seiner Sendung ausmacht. Ein Ja dazu, dass dies dann in ähnlicher Weise auch der Weg der Menschen sein kann, die zu ihm gehören und in seinem Namen für das Reich Gottes Dienst tun. …“

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