Und feministisch?

„ … ohne mich könnt ihr nichts tun“ – Joh 15,5

(Predigt) „… Ohne mich könnt ihr nichts zustandebringen, was Frucht wäre, wie Gott sie an euch sucht. Warum ist das so betont? Weil die Ver­suchung immer wieder groß ist, sich aus diesem Angewiesensein auf Jesus herauszulösen. Brauchen wir ihn denn wirklich so dringend? Kann man nicht auch ohne ihn viel Gutes tun? Damals, als das Johannes-Evangelium entstand, waren es offenbar jüdische Kreise und Institutionen, die den Christen nahelegten, sich doch von diesem Jesus zu lösen und ins Judentum, in die Synagoge zu­rückzukehren. Und auch wir heute haben mit dieser Versuchung zu tun. Brauchen wir Jesus? Brauchen wir ihn so, wie ihn die Bibel bezeugt und wie wir bisher in der Kirche an ihn geglaubt haben? Brauchen wir ihn als das Opferlamm, als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt? Brauchen wir sein Abend­mahl, so, wie wir’s bisher verstehen, nämlich dass uns sein dahin­gegebener Leib zum Lebensbrot und sein vergossenes Blut zum Freudenwein werden – zur Vergewisserung, dass wir tatsächlich Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben haben?

Solche Fragen stellen heute beispielsweise Vertreterinnen und Vertreter der vielgerühm­ten feministischen Theologie. Sie meinen, Jesus, das Hl. Abend­mahl, das ganze Evangelium müsse neu gedeutet und neu ver­standen werden. Anderen in unserer Kirche u.a. auch mir drängt sich der Eindruck auf, dass bei solchen Um- und Neudeutungen unter der Hand die Mitte unseres Glaubens eliminiert wird, dass unsere Kirche auf einen Weg gebracht wird, der sie von Jesus Christus löst.

Schwere Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang auch im Blick auf den Bereich kirchlicher Arbeit, in dem die von Gott gesuch­ten Früchte in besonderem Maß gefragt sind: den Bereich der Diakonie. Sind wir wirklich der Meinung, die dort gestellten Aufgaben könne jeder erfüllen, der einigermaßen guten Willens ist und im übrigen die fachlichen Voraussetzungen mitbringt, wie sie auch die Welt kennt? Oder sind wir der Meinung, dass es letzten Endes auf eine Zuwendung zu den Menschen ankommt, eine Liebe, die ihr Wesen und ihre Kraft nur von Jesus her gewinnen kann, aus der Verbindung, dem Verwachsensein mit ihm? …“

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