Trauern/hoffen

Israel-Sonntag – Röm 9,1-5; 10,1-4

(Predigt) „… Jedes Jahr um diese Zeit begeht unsere Kirche aus ihrer Verbun­denheit mit dem jüdischen Volk heraus den Israelsonntag. Ja, machen wir uns heute wieder klar, wie sehr uns dieses Volk an­geht. Dazu wäre einiges zu sagen. Das Wichtigste: Die Kirche selbst ist von Anfang an und bis in alle Ewigkeit jüdisch bestimmt; sie ist wurzelhaft jüdisch und bleibt es. Ja, die Wurzel, die uns trägt, das Fundament, auf dem die Kirche erbaut ist, Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist – es waren samt und sonders Juden, er selbst, unser Herr eingeschlos­sen: Jesus, Sohn einer jüdischen Mutter; Jesus, zuerst und ei­gentlich der Messias Israels, der König der Juden, wie es die un­auslöschliche Inschrift seines Kreuzes besagt.

Gott hat es nun einmal mit den Juden, mit dem jüdischen Volk, mit Israel, seinem auserwählten Volk. Deshalb rückt dieses Volk auch in unserer Zeit immer wieder in den Mittelpunkt der Welt­politik. Deshalb wiegen Verbrechen, die an diesem Volk began­gen werden, besonders schwer. Deshalb zeigen sich an diesem Volk Überlebenskräfte, die rational nicht mehr erklärbar sind. Und was sagt Jesus von ihnen? ‚Das Heil kommt von den Ju­den’. Er meint damit vor allem sich selbst.

Aber nun die Frage, vor die uns der heutige Predigttext stellt. Was ist mit dem Teil der Juden, und das ist bei weitem der grö­ßere, der bisher für das Evangelium verschlossen ist und somit abseits steht; der bisher nicht erkannt hat, was zu seinem Frieden dient; der sein Heil zwar nach wie vor bei Gott sucht, aber am König der Juden vorbei? Wie stehen wir als Christen zu ihnen? Wie steht ein Paulus zu ihnen, der von ihrer Seite schwerstes Unrecht erlitt wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Messias, we­gen seines Dienstes für ihn? Einmal wurde er deswegen sogar von ihnen gesteinigt; und dieser Teil des Judentums wird es dann auch sein, der am Ende dafür sorgt, dass ihm, Paulus, ähnlich wie Jesus selbst, der Prozess gemacht wird.

Paulus gibt auf diese Frage zwei Antworten. Die erste: Er trägt Leid um sie und stellt ihre Vorzugstellung bei Gott heraus. Die zweite: Sein Wünschen und Bitten richten sich darauf, dass sie zum Heil finden. Können wir uns diese Haltung zueigen machen? Gott helfe uns dazu. … …“

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