Selbst-Herrlichkeit?

Zeichenforderung der Pharisäer – Matth 12,38ff par

Jesus hat bereits mehrere spektakuläre Wunder vollbracht. Was soll also diese Zeichenforderung?

„Ein Zeichen vom Himmel“ fordern die Pharisäer von Jesus. Dabei ist offensichtlich ein Zeichen gemeint, das von anderer Art ist als etwa die Heilungswunder Jesu. Sie fordern ein sog. Schauwunder, ein Zeichen, das ihn selber aus den irdischen Gebundenheiten heraushebt und so seinen Anspruch, der Messias zu sein, unter Beweis stellt, gewissermaßen ein Zeichen seiner Selbst-Herrlichkeit. Es wäre ein Zeichen analog jener „Zeichen“, die der Teufel Jesus in der Versuchungsgeschichte (Matth 4) nahelegt: als Gottes Sohn Steine für den eigenen Hunger in Brot verwandeln; als Gottes Sohn von der Zinne des Tempels springen und so eigene Unverletzlichkeit demonstrieren; als Gottes Sohn Weltherrschaft an sich reißen und sich so als Herr der Welt gerieren. Es wäre ein Zeichen, durch das Jesus sich selber helfen würde – „Arzt, hilf dir selber“ (Lk 4,23). Von derselben Zeichenforderung ist dann auch der Spott der Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten bei der Kreuzigung Jesu bestimmt: „Andern hat er geholfen und kann sich selbst nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben“ (Matth 27,42).

Jesus lehnt diese Art von Zeichen, mit denen er sich selbst helfen würde, also Schauwunder, konsequent ab. Würde er sich darauf einlassen, würde er die Spur der Menschwerdung, der Inkarnation und der völligen Unterordnung unter den Willen des Vaters verlassen und damit seine Sendung verfehlen. Die Wunder, mit denen er Menschen hilft, dienen in keinem Fall dazu, ihn selber vor der Welt zu beglaubigen. Meist vollbringt er sie ausdrücklich im Verborgenen und verbietet dazuhin des öfteren, seine Taten bekannt zu machen (das sog. Messias-Geheimnis).

Jesus schließt seine Antwort an die Pharisäer so ab: „Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen; doch es soll ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jona“ (16,4). Der Prophet Jona verschwand für drei Tage von der Bildfläche, im Bauch des Fisches. So ähnlich wird auch Jesus am Ende (vorübergehend) von der Bildfläche verschwinden – wahrhaftig kein Zeichen im Sinn der Forderung der Pharisäer, kein Zeichen, an dem messianische Hoheit ablesbar wäre, kein Zeichen irgendwelcher Selbst-Herrlichkeit.

(Predigt, Karfreitag) „… Zum Zweiten. Was Jesus von denen angetan wird, die Gott ken­nen und eigentlich Sachwalter Gottes sind. Wie gesagt, sie waren es schon, jedenfalls ihre Oberen, die die Kreuzigung Jesu mit aller Macht betrieben und gefordert haben. Sie wollen den am Kreuz haben, der doch seinerseits nichts anderes im Sinn hat als Gottes Sache, ja, der selber Gott ist, Gott von Gott, Licht vom Licht. Das ist wohl das schwerste Rätsel in diesem Geschehen. Und das Leiden, das für Jesus in diesem Vorgang liegt, ist si­cherlich noch viel schwerer als das erste. Aber nicht genug damit, dass Jesus nun am Kreuz hängt. Nun muss er sich von dieser Seite auch noch Lästerungen und Provokationen und letzte, schwerste Versuchungen gefallen lassen. Denn diese gottgelehrten Leute zählen auf, was Jesus Großes von sich und seiner Sendung gesagt hat und setzen es in Beziehung zu seinem jetzigen Elend am Kreuz. Wenn Anspruch und Wirklich­keit so auseinanderklaf­fen wie hier bei Jesus, dann können sie nur noch die Köpfe schütteln.

Herausfordernd sprechen die Vorüber­gehenden auf ihn ein: Den Tempel willst du abbrechen und in drei Tagen wieder aufbauen, das Heiligtum Israels willst du erneuern, ein giganti­scher Anspruch – was ist nun damit? Gottes Sohn willst du sein, Teilhaber willst du sein an Gottes Retter­macht – dann bitte, rette jetzt doch erst einmal dich selber und steig herab vom Kreuz. Die Herren des Hohen Rats, die Jesus den Prozess gemacht haben – in Gottes Namen, wie sie vorgaben –, treiben es noch weiter. Sie verhöh­nen ihn nur noch: ‚Anderen hat er gehol­fen und kann sich selber nicht helfen.’ Ja, darauf wollten sie bei ihm schon immer hinaus, auf eine selbstherrliche Demonstrati­on. Was besagten schon die Wunder, die Jesus an anderen tat? Er sollte sich selber helfen. Er sollte sie ein Gotteszeichen sehen lassen, das an ihm selber geschehen und ihn glorifizieren würde, ihn herausheben würde aus dem bloßen Menschsein. Als Messias Israels müsste er späte­stens jetzt seine königliche Herrlichkeit an sich selbst be­weisen und vom Kreuz herabsteigen. Auf Gott hat er vertraut und sich als Gottes Sohn ausgegeben – nun, dann wäre jetzt wahrlich der Zeitpunkt für Gott gekommen, einzugrei­fen und seinen Schütz­ling aus dieser Schmach herauszuholen. Zuguter­letzt schmäht und provoziert ihn in diesem Sinn sogar einer der beiden Mitgekreu­zigten….“

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