Das Kreuz abschütteln?

„… der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde“ – Hebr 4,15

Im gesamten Hebräerbrief wird immer wieder die Gefahr des Abfalls vom Glauben an Jesus Christus und damit der Rückfall ins Judentum thematisiert. Davor wird mit allem Nachdruck gewarnt. Das ist „die Sünde, die uns ständig umstrickt“ Hebr 12,1. Mit gleichem Nachdruck wird die Einzigartigkeit Jesu und seiner Sendung, die Überlegenheit seines Heilswerks gegenüber den Heilsmöglichkeiten des Alten Bundes in allen Facetten hervorgehoben, verbunden mit Aufrufen wie: „Lasst uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat“ Hebr 10,23 oder: „Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist und aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens“ Hebr 12,1.

Mit „Versuchung“ ist im Hebräerbrief spezifisch die Versuchung zum Abfall vom Glauben gemeint; mit „Sünde“ spezifisch die Sünde des Abfalls. Jesus war speziell in dieser Hinsicht „versucht wie wir“. Er war versucht, den Weg, auf den Gott ihn gewiesen hatte, zu verlassen. Denn dieser Weg forderte von ihm, sich selbst zu verleugnen und ins Leiden zu gehen. Zu Beginn seines Wirkens wollte der Satan Jesus dazu verführen, von diesem Weg abzugehen. Als Jesus am Kreuz hing, trat die Versuchung noch ein letztes Mal an ihn heran: „Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben“ Matth 27,42. Speziell in dieser Hinsicht blieb Jesus „ohne Sünde“.

(Predigt) „… In Gottes Namen vom Kreuz herabsteigen, darauf lief die Versuchung bei Jesus hinaus. In Gottes Namen das Kreuz abschütteln, das uns in der Nachfolge Jesu zu tragen aufgegeben ist, darauf läuft die Versuchung bei uns hinaus, das ist die Befreiungstheologie, die der Versucher uns nahelegt. …“

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