Schnäppchen

„Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! … Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ – Jes 55,1

(Predigt) „… Jedes Mal, wenn ich die betagten Eheleute in meiner Fellbacher Gemeinde besuchte, ging es ihnen noch schlechter. Die Altersschwäche nahm zu. Ihre Beine machten nicht mehr mit. Sie konnten sich nur noch unter großen Schwierigkeiten bewegen und kamen nur noch aus dem Haus, wenn es unbedingt sein musste. An den Besuch des Gottesdienstes war nicht mehr zu denken, das musste ich ihnen wirklich abnehmen. Auch sonst kamen sie so gut wie nirgends mehr hin.

In der Adventszeit lud die Stadt Fellbach ihre Senioren zu einem festlichen Nachmittag in die Schwabenlandhalle ein – zu gerne hätten die beiden wenigstens daran teilgenommen. Aber es wäre zu anstrengend gewesen. Wie verblüfft war ich, als ich nach Ende eines solchen Nachmittags beim Weggehen aus der Schwabenlandhalle auf den alten Herrn traf, wie er sich nach Hause schleppte. Ja wie, jetzt sind Sie doch gekommen? wollte ich wissen. Ja, aber nur ganz zum Schluss. Und da fiel mein Blick auf die beiden schlanken Schmucktüten, die an seiner Hand hingen. Am Schluss des Seniorenadvents gab es nämlich für alle Senioren noch ein Weingeschenk auf Kosten der Stadt. Ja, und das hatte er abgeholt und trug es nun schwer humpelnd, aber eben auch höchst profitlich nach Hause.

Ein Schnäppchen machen – das ist doch das Größte! … Und vollends, wenn es etwas umsonst gibt – das kann man doch nicht hinauslassen! …

Umsonst trinken, umsonst essen, umsonst sich eindecken mit Köstlichkeiten aller Art – dazu lädt Gott uns Menschen ein. Ihr habt’s gehört, liebe Mitchristen! … …

Aber gemeint ist hier mit unserer biblischen Botschaft natürlich noch mehr, noch Größeres. Wasser steht für alles, was uns erfrischt und belebt, den ganzen Menschen, Leib, Seele und Geist; es steht für das, was unseren Lebensdurst im weitesten und tiefsten Sinn stillt. Milch steht für alles, was uns auf gesündeste Weise nährt und stärkt auf dem Lebensweg – es gibt ja z.B. den Ausdruck ‚Milch der frommen Denkungsart.’ Und Wein steht für alles, was unser Gemüt erhebt, unser Herz erfreut, ja, für alles, was uns glücklich oder sogar selig macht.

Und so ist der Markt, auf dem unser seltsamer Verkäufer mit seinem sensationellen Angebot auftritt, nicht bloß ein gewöhnlicher Lebensmittelmarkt. Es ist der Markt der Lebensentwürfe, der Markt der Problemlösungen, der Markt der Bewältigungsstrategien, der Markt der Erfolgsrezepte, der Markt der Weltanschauungen und Religionen. …

Vorsicht, dass wir auf dem Markt der Möglichkeiten nicht an die Falschen geraten und auch noch schwer dafür bezahlen. ‚Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht?’ spricht Gott.

Die Falschen – das können auch die Verkäufer von Glücksprogrammen und Heilslehren sein, Sektenführer, Gurus, Schamanen, die sich ihre Dienste in aller Regel teuer bezahlen lassen. Man muss einmal zur Kenntnis genommen haben, in welch unverschämter Weise etwa Scientologie-Anhänger ausgenommen werden.

Bezahlen im übertragenen Sinn muss der Mensch im übrigen in jeder anderen Religion. Er wird mehr oder weniger gnadenlos in die Pflicht genommen. Er muss aufkommen für alles, was er angerichtet, was er versäumt oder verfehlt hat. Und es besteht genau genommen keine Aussicht, es je zu schaffen und wirklich froh und frei zu werden. …

Mit und durch Jesus können wir umsonst alles haben, was uns belebt wie frisches Wasser, was uns stärkt und nährt wie Vorzugsmilch, was uns glücklich, ja, selig macht wie wunderbarer Wein. Jesus Christus lädt uns an seinen Tisch. Er reicht uns das Brot: Mein Leib, für euch gegeben. Er reicht uns den Wein: Mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden. Er ist für uns da als der Herr des Heils: ‚Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid: Ich will euch erquicken.’ ‚Wen dürstet, der komme; und wer immer will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.’ Lassen wir’s uns nicht zwei mal sagen. Amen.“

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