… auf geschlechtlichem Gebiet

„Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes …“ Kol 3,1ff

(Predigt) „… Von nun an sitzt der Gekreu­zigte und Auferstandene zur Rechten Gottes. Er lebt nicht nur, jetzt regiert er auch, und zwar von höchster Stelle aus. Er lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewig­keit, so sprechen wir es ja auch gerne in Gebeten aus. Dies zu wissen, dass Jesus Christus im Regiment sitzt, dass ihm, dem Erlö­ser dieser Welt, nun alle Gewalt, alle Regierungsgewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, wie er selber sagt – ist das nicht Grund zu höchster Freude, Grund zu Dank und Anbetung? Na­türlich hat dieser Himmel, in den Christus aufgefahren ist, dieser Himmel als Regierungssitz Gottes und seines Christus, nichts zu tun mit dem Weltraum, den wir mit Teleskopen, Son­den und Astronauten erkunden können. Es ist vielmehr die uns bis auf weiteres noch verborgene, aber zugleich höchst reale himmlische Welt Gottes jenseits und über unserem Kosmos.

Schon kürzlich begegneten wir, ebenfalls an Hand eines Ab­schnitts aus dem Kolosserbrief, der erstaunlichen Aussage, dass wir mit Christus auferstanden seien. … Al­so, liebe Gemeinde, bereits hier und jetzt sind wir in das Aufer­stehungsleben Jesu Christi mithineingenommen und haben den Tod hinter uns; natürlich nicht den körperlichen Tod; aber den Tod in den Sünden. Den Zustand, der kein Leben mehr war, weil wir vom Bösen beherrscht und unter die Sünde versklavt waren, den haben wir hinter uns als Getaufte, als Glaubende, die mit die­sem auferstandenen Christus verbunden sind und bleiben. ‚Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not, er reißet durch die Höll, ich bleib stets sein Gesell’, so sangen wir im Osterlied. Das ist keineswegs nur Zukunftsmusik. Das ist zu einem guten Teil schon hier und jetzt die Wirklichkeit, in der wir leben; hoffnungsvolle Ausgangsbasis für Weiteres.

Um dieses Weitere geht es nun in der heutigen Botschaft. ‚Sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Er­den ist.’ Für uns als mit Christus Auferstandene ist in unserer praktischen, alltäglichen Lebensführung eine neue Ausrichtung, eine neue Orientierung möglich und auch fällig, die Orientierung nach oben. Es geht dabei nicht nur um den gelegentlichen, ziemlich folgenlosen Blick nach oben, sondern um ganz praktische Schritte und hand­feste Aktionen, die den Stempel der oberen Welt, der Christuswelt tragen. Wir müssen dazu wenigstens noch den nächsten Vers hören, der im Kolosserbrief auf unseren Abschnitt folgt: ‚So tötet nun die Glieder, die auf Erden sind, Unzucht, Un­reinheit, schändliche Leidenschaft, böse Begierde und die Hab­sucht, die Götzendienst ist.’

Hier wird uns mit aller Deutlichkeit gesagt, was auf Erden ist, was nicht länger Ziel unseres Trachtens sein kann. Es sind die Glieder des alten Menschen, die uns immer noch anhängen. An ihnen zeigt sich unser altes, sündiges Wesen in massiver Gestalt, und zwar an erster Stelle auf geschlechtlichem Gebiet. Darüber spricht man nicht. Darüber spricht man nicht gern. Und doch ist es wahr. Der alte Adam ist auf diesem Gebiet am anfälligsten. Der Sündenfall im Paradies wirkte sich bekanntlich so aus, dass der Mensch zuallererst auf diesem Gebiet die Unschuld verlor. Er verlor die Unschuld im Umgang mit seiner Sexualität. Wohlgemerkt: Se­xualität selbst hat ursprünglich und eigentlich überhaupt nichts mit Sünde und Schuld zu tun; dies wäre ein unsinniges Missver­ständnis. Sexualität ist paradiesische Schöpfungsgabe Gottes. Wohl aber unser Umgang damit, nachdem wir vom Baum der Erkenntnis gegessen haben! Die Kolosser hatten es nötig, darauf angesprochen zu werden; und wir haben es, weiß Gott, in der heutigen gesellschaftlichen Wirklichkeit auch nötig. Auf welchem Gebiet gibt es mehr Unglück, mehr menschliche Katastrophen als auf diesem? Nicht umsonst gibt es jetzt, 1994, ausdrücklich ein ‚Jahr der (Ehe und) Familie’. Kürzlich konnte man es in einer Zeitschrift nachlesen, wie auch unsere kirchlichen Beratungsstellen auf diesem Gebiet einem großen gesellschaftlichen Druck unterliegen, dem Druck, sich und die ratsuchenden Menschen nach unten zu orientieren statt nach oben. …“

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