Dreieinigkeit

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen“ – 2 Kor 13,13

(Predigt, Dreieinigkeitsfest) „… Das erst macht das Evangelium, die Frohbotschaft aus, dass Gott uns als der drei Mal Heilige begegnet … An erster Stelle steht hier der Sohn, Jesus Christus und seine Gnade. Diese Gotteserfahrung soll und darf für uns tatsächlich in den Vordergrund treten. Wir stehen nicht länger unter einem gnadenlosen Schicksal. Wir müssen uns nicht länger wie ein Tennisspieler von einem übermächtigen Gegner gnadenlos von einer Ecke in die andere jagen lassen, um am Ende doch als Verlierer dazustehen. Wir werden nicht länger gnadenlos auf unser Versagen festgelegt. In Jesus begegnet uns unser Gott voller Erbarmen und sagt uns: Ich erledige alles für dich; ich habe es schon getan. Ich bin für deine ganze Schuld aufgekommen …, ich habe den Tod entmachtet …, ich habe die Mächte entthront, die ich bedrohen …

Das Zweite, nicht weniger Bedeutsame: Die Liebe Gottes. Es hat schon seinen guten Grund, wenn wir in der christlichen Welt Gott den ‚lieben Gott’ nennen. Wo gibt es das sonst in den Religionen? Es hat seinen guten Grund, wenn das bekannteste Missionslied hieß: ‚Gott ist die Liebe. Er liebt auch mich.’ Gott begegnet uns als der Vater und damit als der liebe Gott, als der Gott der Liebe. Von Liebe bewegt ist dieser Gott von Anfang an. Er will für Gutes und Schönes sorgen, Heil und Leben hat er im Sinn. Diesem seinem Liebeswillen entspringt schon die Schöpfung: Dem Chaos ringt er den Kosmos ab, der Wüste das Paradies mit Menschen darin, geschaffen nach seinem Bild. ‚Und siehe, es war sehr gut.’ Auch der von ihm abgefallenen Welt und Menschheit hat Gott, der Vater, seine Liebe zugewandt. Ja, er ist in seiner Liebe bis zum Äußersten gegangen: ‚So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab …’. Das Chaos, das Menschen in ihrer Gottlosigkeit anrichten, ist noch heilloser als das erste; die Wüste, zu der unsere Welt im Kleinen und im Großen, unsere innere und äußere Welt unter unserem Einfluss verkommt, ist noch trauriger und lebensfeindlicher als die erste. Aber Gott liebt eben diese Welt und eben diese Menschheit …

Schließlich: Die ‚Gemeinschaft des heiligen Geistes’. Das heißt nun tatsächlich nichts anderes als: Gemeinschaft mit Gott, Gott in uns. Nicht von Haus aus ist das so mit uns, dass wir Gott in uns, im Herzen hätten, wie manche sagen. Aber in und mit dem heiligen Geist nimmt Gott selber Wohnung in uns. Mit dem heiligen Geist werden Christen zu Heiligen, zu geheiligten Menschen, die zu Gottes neuer Welt gehören, erweckt zu neuem, geistlichem Leben. Und dazu gehört dann elementar auch die Gemeinschaft untereinander, Gemeinschaft der Heiligen, wie es im Glaubensbekenntnis heißt …“.

(Predigt) „… Aller guten Dinge sind drei, sagt ein Sprichwort. Es ist etwas Wahres dran. Es gilt dann auch und gerade im Bereich unseres Glaubens. Es gilt von Gott. Er, unser Gott, begegnet uns drei­fach, ist in dreifacher Weise für uns da. Dem Vater, unserem Schöpfer, verdanken wir uns mit allem, was wir sind und haben. Dem Sohn, Jesus Christus, verdanken wir unsere Erlösung. Dem Heiligen Geist verdanken wir das neue Leben, das in uns und unter uns beginnt und einmal in unserer Auferstehung vollendet werden wird …“

(Predigt) „… Gott, wie er sich uns in Verbindung mit dem biblischen Zeugnis offenbart, ist der dreieinige oder, wie man auch sagen kann, der dreifaltige Gott. In unserem christlichen Württemberg hat sich das sogar geografisch niedergeschlagen. Eine der höchsten Erhebungen der Schwäbischen Alb ist der Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen. …

Heutzutage, im Verbund der drei großen monotheistischen Religionen, tun wir uns gar nicht mehr so leicht mit diesem Glaubensbekenntnis. Jüdisches Denken bestreitet die Dreigestaltigkeit Gottes. Dabei ist die Dreieinigkeit Gottes nach unserer Erkenntnis schon im Alten Testament bezeugt, mindestens angelegt. In den Psalmen ist vom Sohn Gottes die Rede, freilich nicht im biologischen Sinn, aber das ist auch nicht christliche Lehre. Wie wir aus der Schöpfungsgeschichte wissen, schwebte der Geist Gottes verheißungsvoll über der Todeswelt der Chaoswasser. Und denken wir nur an den geheimnisvollen Besuch Gottes bei Abraham, wo Gott dem Abraham in Gestalt von drei Personen begegnet und Abraham sie gemeinsam mit ‚Herr’ anredet.

Erst recht steht der Islam der christlichen Gotteslehre entgegen. Der Islam lehrt den unnahbaren, absolut jenseitigen Gott, dem sich der Mensch schicksalsergeben zu unterwerfen hat. Da gibt es nun tatsächlich nicht so leicht eine Brücke zu dem, was Christen glauben.

Dabei ist es wirklich eine wunderbare Sache, dass Menschen an den dreieinigen Gott glauben dürfen. Denn – um gleich das Wesentliche zu betonen – diese Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit besagt letztlich nichts anderes als dass Gott eben niemals jenseitig und unnahbar war, sondern sich in Person dieser Welt zugewandt, ja, sich in sie hineinbegeben, sich mit ihr verbunden hat, um sie Heil und Leben erfahren zu lassen.

Das Neue Testament bezeugt Gott als den dreieinigen besonders klar an zwei Stellen, nämlich … im sog. Missionsbefehl Jesu Matth. 28 … und dann … hier im Schlusssegen des Apostels Paulus in seinem 2. Brief an die Korinther. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um eine persönliche Formulierung des Apostels, sondern um eine Segensformel aus der gottesdienstlichen Liturgie der frühchristlichen Gemeinden, die Paulus aufgreift. …“

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