Indianer-Rede

„Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten …“ – 1 Kor 2,1ff

(Predigt) „… Ihr Korinther oder auch ihr Fellbacher, die ihr euch von dieser neuen angeblich christlichen (sc. esoterischen) Weisheit faszinieren lasst, bedenkt, dass es nichts Hohes im landläufigen Sinn war, was ich, Paulus, euch bringen konnte. Was ist das für eine Christusgestalt, die euch die Propagandisten der höheren Erkenntnis vor Augen stellen? Eine erhabene Lichtgestalt? Ein Geist-Christus nach dem Strickmuster, wie der Mensch sich die Gottheit denkt und von der er dann meint, er selbst sei in seinem innersten Wesen ein Teil von ihr? Bedenkt, welchen Christus ich euch gebracht habe: Einen Christus, der ganz und gar Mensch geworden ist in Jesus; und nicht genug damit; einen Christus, der am Kreuz hängt und dort schmählich verblutet. Da ist menschliche Weisheit zutiefst geschockt, beleidigt durch die Art, wie Gott hier begegnet. Gott in Gestalt eines gekreuzigten Juden – eine Ungeheuerlichkeit, ein Schwachsinn, ein Skandal! Aber der Apostel hat entschieden, nichts anderes zu wissen als eben dies, und keiner der Boten Gottes von da an hat je etwas anderes zu wissen … …

Wenn andere den Anspruch erheben, Weisheit zu vermitteln, dem Menschen den Zugang zu höherer Erkenntnis aufzutun; wenn andere herabsehen auf das armselige Kirchenvolk, auf die, die bloß glauben …, dann können und dürfen wir dem entgegenhalten: wahre Weisheit ist hier, ist da, wo die Botschaft von Jesus Christus, dem Gekreuzigten, Glauben gewirkt hat …

Jesus Christus ist gerade in seiner Niedrigkeit, in seiner Bereitschaft, zum Allerverachtetsten zu werden, der ‚Herr der Herrlichkeit’, der dann vollends in seinem unschuldigen Leiden und Sterben wahrhaft göttlich an unserer Welt handelt. Und so bleibt kein Zweifel: Wenn uns der Hl. Geist Jesus Christus als unseren Herrn groß werden lässt, dann sind wir dabei, die ‚Tiefen der Gottheit’ auszuloten, dann werden wir mit Gott im Innersten seines Wesens vertraut, dann sind wir von der Weisheit geleitet, die auch die Weisen aus dem Morgenland auf den Weg gebracht hat zur Krippe; dann haben wir die Philosophie schlechthin gefunden, mit der wir leben und sterben können. …“

(Predigt) „… ‚Nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten’. Auch Graf Zinzendorf, Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine, hat seine Missionare vor fast 300 Jahren mit dieser Devise losgeschickt, z.B. nach Amerika zu den Indianern. Einer dieser Indianer erzählt folgendes: ‚Brüder! Ich bin ein Heide gewesen und bin unter den Heiden alt geworden, weiß also wohl, wie es mit den Heiden ist. Es kam einmal ein Prediger zu uns, der wollte uns lehren, und fing an, uns zu beweisen, dass ein Gott sei. Da sagten wir: Ei! Meinst du denn, dass wir das nicht wissen? Geh nur wieder hin, wo du hergekommen bist. Ein andermal kam ein Prediger und wollte uns lehren: Ihr dürft nicht stehlen, sagte er, nicht saufen, nicht lügen usw. Wir antworteten ihm: Du Narr! Denkst du denn, dass wir das nicht wissen? Lerne das erst selbst und lehre die Leute, zu denen du gehörst, dass sie das nicht tun. Und so schickten wir ihn fort.

Nach einiger Zeit kam der Herrnhuter Christian Friedrich Rauch zu mir in meine Hütte und setzte sich zu mir. Der Inhalt seiner Rede an mich war ungefähr dieser: Ich komme zu dir im Namen des Herrn des Himmels und der Erde. Der lässt dich wissen, dass er dich gern selig machen und aus dem Elend reißen will, in dem du liegst. Er ist dazu Mensch geworden, hat sein Leben für die Menschen gegeben und sein Blut für sie vergossen usw. Er legte sich darauf in meiner Hütte auf ein Brett und schlief ein, denn er war müde von seiner Reise.

Da dachte ich: Ei! Was ist das für ein Mann? Er liegt da und schläft so sanft. Ich könnte ihn ja gleich totschlagen und in den Wald werfen – und wer würde danach fragen? Aber er ist ohne Sorgen. Seine Worte aber konnte ich nicht los werden. Sie fielen mir immer wieder ein, und wenn ich einschlief, träumte ich von dem Blut, das Christus für uns vergossen hat. Da dachte ich: Das ist etwas anderes und übersetzte den anderen Indianern die Worte, die Christian Heinrich Rauch weiter mit uns redete. So ist Erweckung unter uns durch Gottes Gnade entstanden. Daher sage ich euch: Brüder! Predigt den Heiden Christus und sein Blut und seinen Tod, wenn ihr unter ihnen Segen schaffen wollt.’ …“

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