Vegetarismus – Recht und Unrecht

1 Mose 1,29+30: „Und Gott sprach (zum eben geschaffenen und gesegneten Menschenpaar): Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.“

Vielfach übersehen: Gott der Schöpfer hat nach 1 Mose 1,29f und übrigens auch nach 1 Mose 2,8f (vgl. 1 Mose 3,2) die von ihm geschaffene Lebenswelt durchweg vegetarisch organisiert. Öfters wird mit dem zweiten Teil der vorausgehenden Segnung des Menschenpaares (1,28: „… und machet euch die Erde untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht“) das Missverständnis verbunden, als sei dem Menschen hier das Recht zugesprochen, Tiere zu töten und zu verzehren. Davon kann keine Rede sein. Sowohl der Mensch als auch die gesamte Tierwelt bekommen ausdrücklich und ausschließlich pflanzliche Nahrung zugewiesen. In Gottes ursprünglicher Schöpfung ist also ausgeschlossen, dass Leben zu Ernährungszwecken herangezogen und vernichtet wird. (Pflanzen gehören im Sinn von 1 Mose 1 nicht zu den „lebendigen“ Organismen. Als „lebendig“ gelten ab 1 Mose 1,20 erst die Tiere und dann natürlich der Mensch.)

Eine Ahnung davon, wie Gott sich seine Welt ursprünglich gedacht hatte, konnten wir an uns selbst beobachten, wenn wir als Kinder mit ansehen mussten, wie ein Tier geschlachtet wurde und schockiert und entsetzt waren. Wir spürten genau: Das sollte eigentlich nicht sein. Auch noch im Erwachsenenalter sind uns solche Empfindungen nicht fremd. Auch das Töten der Tiere untereinander konnten und können wir, wenn wir auf die Regungen unserer Seele achten, keinesfalls als natürlich, als gottgewollt empfinden. In uns lebt noch ein Wissen, wie es eigentlich sein sollte und wie es ursprünglich war, auch wenn wir uns das als Realität schlechterdings nicht vorstellen können, vor allem, was die Ernährungsnotwendigkeiten innerhalb der Tierwelt angeht. Ist der Löwe nicht schöpfungsgegeben mit seinem Raubtiergebiss ausgestattet?

Die Bibel hält dennoch daran fest, dass sowohl der Mensch als auch die Tierwelt ursprünglich auf vegetarische Ernährung angelegt waren/sind, und sie bekräftigt auch ausdrücklich, dass es in der kommenden, erlösten Welt wieder so sein wird: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern … Kühe und Bären werden zusammen weiden … und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder“ (Jes 11,6+7).

Auch vegetarische Ernährungskonzepte für den Menschen und Widerwille gegen Fleischgenuss können in diesem Zusammenhang gesehen werden. Allerdings kann sich Vegetarismus dann doch nicht ohne weiteres auf die Bibel berufen. 1 Mose 9, das zum gleichen priesterschriftlichen Traditionsstrang gehört wie 1 Mose 1, bezeugt Gottes Bund mit Noah nach der Sintflut. Hier findet sich in den Versen 3+4 diese Aussage Gottes: „Alles, was sich regt und lebt (!), das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben. Allein esset das Fleisch nicht mit seinem Blut, in dem sein Leben ist!“ Gott macht nach der Sintflut mit der Welt einen neuen Anfang unter veränderten Grundbedingungen. Zu den letzteren gehört vor allem dies, dass von nun an Fleischgenuss sanktioniert, ja sogar geboten ist. Es handelt sich um eine göttliche Anweisung.

Demnach sind Vegetaristen in der Gefahr, Welt und Wirklichkeit, wie sie nun eben (leider) geworden sind, zu verneinen und sich Ernährungskonzepten zu verschreiben, die nicht mehr bzw. noch nicht wieder zeit- und menschengemäß sind und somit evtl. sogar schädlich sein können. Oder wäre es möglicherweise gottgefällig und auch nützlich, wenn der Mensch sich durch vegetarische Ernährung auf die verheißene neue Welt schon jetzt einstellen und dafür quasi ein Zeichen aufrichten würde? Einen biblischen Beleg gibt es dafür m.W. nicht.

Ein Gedanke zu “Vegetarismus – Recht und Unrecht

  1. Lieber Wolf,
    nachdem wir uns heute Nachmittag über vegetarische Ernährung unterhalten haben, hat uns diese Miniatur sehr in der Zusammenschau der biblischen Stellen weitergeholfen.
    Vielen Dank!
    Gute Nacht und bis bald
    Peter

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