Das Sakrament des Hl. Abendmahls

(Predigt) „… Wir nennen das Hl. Abendmahl ein Sakrament, weil uns hier mit sichtbaren Zeichen, gewissermaßen handgreiflich, eine göttliche Zusicherung gegeben wird. Im Katechismus unserer Kirche heißt es dazu: ‚Das Abendmahl ist ein Sakrament und göttlich Wortzeichen, worin uns Christus, wahrhaftig und gegenwärtig, mit Brot und Wein seinen Leib und sein Blut schenkt und darreicht, und vergewissert uns damit, dass wir haben Verzeihung der Sünden und ein ewiges Leben.’ (Anmerkung: Vergebung der Sünden empfangen wir nicht im Hl. Abendmahl, sondern in der dem Abendmahl vorausgehenden oder auch sonstwann gehaltenen Beichte und Absolution; das Hl. Abendmahl vergewissert uns der empfangenen Vergebung)

Der Dienst, den Gott uns mit dem Hl. Abendmahl tut, besteht in dieser Vergewisserung! Und besonders solche Gemeindeglieder werden für diesen Dienst dankbar sein, die von ihrem Gewissen oder von sonstigen Nöten her bedrängt sind und sich fragen, ob Gott auch ihnen gnädig sein kann, ob Gott ihnen noch gnädig ist. In diesem Sinn ist das Hl. Abendmahl ganz sicher ein Freudenmahl, und es ist durchaus normal, wenn Menschen beim Empfang des Hl. Abendmahls zu Tränen der Freude bewegt sind, wie ich es schon oft erlebt habe. Auf der anderen Seite kommen wir beim Hl. Abendmahl mit dem innersten Geheimnis unserer Erlösung so hautnah in Berührung wie sonst nie, nämlich mit dem Leiden und Sterben unseres Herrn, mit seinem für uns gegebenen Leib, mit seinem für uns vergossenen Blut. Und von daher liegt dann über der Abendmahlsfeier auch wieder ein besonderer Ernst, ein heiliger Ernst. Es kommt dabei immer wieder auch zu einem Verstummen unsererseits. Wir halten gewissermaßen betroffen den Atem an angesichts dessen, was Gott da für uns getan hat.

Immer wieder ist die Frage aufgekommen, ob man der Abendmahlsfeier nicht das Schwere, Beklemmende nehmen könnte und sollte. Dieses Anliegen ist sicherlich berechtigt, sofern und soweit wir in diese Feier zusätzlich eine unnötige Steifheit hineingebracht haben. Aber so ganz locker kann es dabei auch nicht zugehen. Alles andere als ernste Feierlichkeit wäre unangemessen, und es ist ganz natürlich, wenn sich bei uns hier, wo wir es mit dem Allerheiligsten zu tun bekommen, auch eine gewisse Scheu einstellt.

In Korinth damals (1 Kor 11,20ff) wollten sie es lockerer haben und nahmen es auch locker! Dabei schossen sie weit über das Ziel hinaus. Ihre Zusammenkünfte, die in die Abendmahlsfeier ausmünden sollten, arteten aus in regelrechte Gelage, jedenfalls für die Wohlhabenden unter ihnen, die auf diese Weise Herrlichkeit, angeblich gottgegebene Herrlichkeit, demonstrierten, während die armen Gemeindeglieder, als angeblich weniger Begnadete, hungerten. Von einer Abendmahlsfeier im ursprünglichen Sinn, bei der alle gleichermaßen von den Gaben des gekreuzigten Herrn satt werden, konnte keine Rede mehr sein.

Ich denke, auch heute muss die Gemeinde manchen Tendenzen gegenüber auf der Hut sein: wenn beispielsweise aus der Abendmahlsfeier ein Feierabendmahl gemacht wird, bei dem das unbeschwerte Feiern dann tatsächlich sehr im Vordergrund steht; oder wenn beispielsweise immer weniger vom Leib und Blut Christi und immer mehr von Brot und Wein als den eigentlichen Gaben die Rede ist. Unsere Kirche (anders m.W. die orthodoxe Kirche) feiert das Abendmahl gewöhnlich mit Hostien, also mit dem ungesäuerten Brot, das zwingend zum jüdischen Passamahl gehört, und das auch Jesus an jenem Passa-Abend, dem ersten Gründonnerstag-Abend, an seine Jünger austeilte. Wenn wir von den Hostien abgehen und stattdessen normales Brot nehmen, kann schon das uns vom Besonderen und Eigentlichen des Hl. Abendmahls wegführen. Es muss nicht, aber es kann. …“

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