Talar an den Nagel?

„Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben“ – Apg 6,4

(Predigt) „… Zunächst etwas Überraschendes: Wie die Lösung nicht aussehen kann! Sie kann nicht so aussehen, dass im gottesdienst­lichen Bereich, im Gebets- und Verkündigungsdienst gekürzt wird. So haben sich’s offenbar auch schon damals manche gedacht: Die Apostel könnten sich doch stärker auf die Diakonie verlegen! So hat sich’s inzwischen schon mancher gedacht: Die Pfarrer könn­ten doch den Talar an den Nagel hängen – nach dem Motto: weniger Worte, mehr Taten! oder noch weitergehend: Taten statt Worte!

Merkwürdigerweise folgen die Apostel dieser Parole nicht, dürfen ihr nicht folgen. Nein, das Wort Gottes, der Dienst der Verkündigung und der Lehre darf nicht vernachlässigt wer­den. ‚Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben’ heißt es, ganz, ausschließlich damit befasst. Symbolisiert wird dieser Grundsatz bis heute darin, dass wir auch Räume haben, die ganz, ausschließlich für diesen Dienst, den Dienst des Wortes reserviert sind, unsere Kirchen, und dabei sollte es auch bleiben….“

(Predigt) „… Solche Tendenzen gab es tatsächlich immer wieder: weniger Wort-Dienst, mehr Tischdienst, weniger Lehre, mehr Diakonie, mehr soziale Tat oder sogar: Sozialarbeit statt Verkündigung.

Das ist mir z.B. auch in folgender Form schon begegnet: Jemand sagte: Wenn ich am Sonntag Morgen zu meiner kranken Nachbarin gehe, ihr etwas zu essen bringe und ihr Gesellschaft leite, tue ich doch bestimmt etwas Besseres als wenn ich eine Stunde in der Kirche absitze. Vielleicht erinnern Sie sich an die von amerikanischen Christen betriebene missionarisch-evangelistische Werbeaktion mit dem Buch ‚Kraft zum Leben’ im vergangenen Jahr. Damals meinte eine Pfarrerin in einem Zeitungsartikel, das viele Geld für die Produktion und Verteilung dieses Buches, also für einen Wortdienst, hätte statt dessen für soziale Zwecke eingesetzt werden sollen. Ja, für Pfarrer konnte es gelegentlich schon zur Frage werden, ob sie nicht lieber den Talar an den Nagel hängen und sich angeblich nützlicheren Tätigkeiten in der Gemeinde zuwenden sollten. Die Apostel stellten damals und auch für uns heute klar: Nein, das wäre nicht recht. Der Dienst am Wort Gottes ist unverzichtbar und hat sogar Priorität. Da soll und darf nichts abgemarktet werden, auch wenn andere Dienste noch so dringend sind. …“

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