Um den Schöpfersegen gebracht

1 Mose 1,28: „Und Gott segnete sie (sc. Mann und Frau) und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde …“. Der Schöpfersegen, der hier auf das Menschenpaar gelegt wird, besteht also offensichtlich darin, dass sie fruchtbar sein, sich mehren und die Erde füllen können. Es handelt sich nicht eigentlich um einen „Auftrag“, der befolgt werden soll, sondern um einen Segenszuspruch, der von sich aus wirkt, es sei denn, man würde diese Wirkung künstlich verhindern. In der gleichen Weise wurden zuvor (Vers 22) die Wasser- und Lufttiere gesegnet, die ja nicht beauftragt werden können: „Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.“

In der Trauagende der Württ. Ev. Landeskirche, wie sie 1983 von der württ. Landessynode verabschiedet wurde, wird in der Schriftlesung an erster Stelle 1 Mose 1,27+28 zitiert: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie.“ Das Zitat endet so! Bewusst wurde die Fortsetzung „und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch …“ und damit die Näher-Definition der göttlichen Segnung weggelassen.

M.a.W. man wollte bewusst offen lassen, worin der Segen, den Gott auf die Verbindung von Mann und Frau legt, besteht. Auf keinen Fall wollte man die göttliche Segnung auf „Kindersegen“ festgelegt haben – eine klare Verstümmelung und Verfälschung der biblischen Aussage.

Es ist schon erstaunlich, in welchem Ausmaß sich Kirchen dem Zeitgeist beugen. Im vorliegenden Fall schloss sich die evang. Kirche dem von der sexuellen Revolution in den 60er-Jahren ausgelösten Trend an, eheliche Liebe und Sexualität einerseits und Fruchtbarkeit andererseits vollständig voneinander zu lösen, was zu dem katastrophalen und heute allseits beklagten Absinken der Geburtenrate geführt hat und dazu, dass unzählige, auch kirchlich getraute Paare, die ihre Fruchtbarkeit gezielt und auf Dauer verhindern, um den Schöpfersegen gebracht sind – mit Beihilfe der Kirche.

Anmerkungen:

  1. Bei den von mir gehalten Trauungen habe ich mich über die Vorgabe der Agende hinweggesetzt und ausnahmslos 1. Mose 1,28 vollständig zitiert und auch die Paare, soweit der weibliche Teil im gebärfähigen Alter war, in den vorausgehenden Traugesprächen entsprechend instruiert und ermutigt.
  2. Dass Gott Paare, die unglücklicherweise keine Kinder bekommen können, in anderer Weise segnet, steht für mich außer Frage.

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