Wer ist gemeint?

„Selig sind, die da geistlich arm sind …“ – Matth 5,3ff

(Predigt, Reformationsfest) „… Da sind wohl Menschen gemeint, die sich keiner strahlenden Gottesgewissheit rühmen können, ‚Herr, was bin ich’. Menschen, die in Bezug auf ihr Gottesverhältnis, genauer: in Bezug darauf, wie Gott zu ihnen steht, verunsichert, angefochten sind. Menschen, die bezweifeln müssen, ob Gott an ihnen etwas finden wird, was ihn bewegen könnte, sie anzunehmen und ihnen gnädig zu sein. Gerade sie haben es gut, sagt Jesus, ihnen steht das Paradies offen. Diese Armen, diese geistlich Mittellosen sollen und werden reich werden. Das Himmelreich selbst ist ihnen zugedacht. In und durch ihn, durch Jesus Christus verfährt Gott so. ‚Dem, der Gott nichts bieten kann, bietet Gott die Freundschaft an’. In der letzten schriftlichen Äußerung Luthers kurz vor seinem Tod heißt es: ‚Wir sind Bettler. Das ist wahr.’ Zugleich wusste er sich über alle Maßen reich in seinem Herrn Jesus Christus.

Selig sind, die da Leid tragen’. Vielleicht sollen wir, mindestens zunächst, an das Leid denken, das der zu tragen hat, der seine Verfehlungen erkennt und in sich geht. ‚Das alles ist mir leid’ sagen wir in der Beichte. Buße tun ist immer auch eine leidvolle Angelegenheit, aber dank Jesus Christus letzten Endes ein ‚fröhliches Geschäft’, wie Luther formulierte.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden’. Was ist das für ein Hunger und Durst? Nicht danach, dass diese Menschen von anderen endlich Gerechtigkeit erfahren, sondern – mindestens zunächst – danach, dass sie selber gerecht, Gerechte werden, dass sie selber Menschen werden, die Gott recht sind, Menschen, deren Lebenswandel dem heiligen Willen Gottes gerecht wird. Und natürlich sehnen sie sich dann auch danach, dass Gerechtigkeit in diesem Sinn sich überall durchsetzt. Ein solcher Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, der das Gegenteil von Selbstsicherheit und Selbstgerechtigkeit ist, hat Seligkeit bei sich. Er, Jesus, der Herr, kann und wird dafür sorgen, dass solche Menschen satt werden. Denn er selber ist ihnen, ist uns ‚gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung’, wie es an anderer Stelle heißt. …“.

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