Landwirt-Biografie

„… dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen …“ – Eph 3,16

(Predigt) „… Es ist die Jahreszeit des Wachstums, in der wir diesen Sonntag feiern. ‚Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.’ Das Gras steht meterhoch, jedenfalls bei uns im Remstal. Die Natur erstarkt. Unglaubliche Kräfte regen sich. Sie treiben Blüten und auch schon Früchte. In dem allem, was wir da wieder staunend erleben, ist die Schöpfermacht Gottes am Werk. Sie ist es, die immer wieder neu solche Wachstums-Wunder bewirkt. Und so erklingt sowohl im Gesang der Vögel als auch und erst recht in den Liedern der Gemeinde das Schöpferlob.

Den Wachstumskräften in der Natur entsprechen innere, geistliche Wachstumskräfte, mit denen wir als Christen, als christliche Gemeinde rechnen können. Der Apostel Paulus bittet in dem gehörten Abschnitt den himmlischen Vater um solche Kräfte. Er bittet darum, dass Gott in väterlicher Fürsorge bei seinen Kindern kräftige Wachstumsprozesse in Gang setzt. So passt es auch zum heutige Sonntag, dem Sonntag vor Pfingsten, der das Leitwort trägt: Die wartende Gemeinde. Wir warten auf das Kommen des Hl. Geistes. Wir erwarten und erbitten wieder neu diese Gotteskraft aus der Höhe, diese geistliche Wachstumskraft, diesen göttlichen Lebensspender, den Jesus seiner Gemeinde verheißen hat und den er, nachdem er in seiner Himmelfahrt zu Gott erhöht wurde, nun auch senden kann. Auf ihn zählt auch der Apostel hier in seiner Fürbitte. Hören wir noch einmal genau hin: Der himmlische Vater gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit Kraft, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid.

Was kann demnach der Hl. Geist bewirken? Um was für ein Wachstum geht es genau? Vom Erstarken des inwendigen Menschen ist die Rede. An dieser Stelle dürfen wir uns etwas sehr Tröstliches und Mutmachendes klarmachen: Wir sind als Christen nicht nur der Mensch, als der wir äußerlich immer wieder erscheinen, sowohl anderen als auch uns selbst – mit vielen Unzulänglichkeiten, Mängeln behaftet, mit allerlei Unglück beschwert, oft ängstlich, mutlos oder gar verzweifelt. Es gibt inwendig in uns, d.h. vorerst noch nicht so gut sichtbar, auch den anderen, den neuen Menschen, die neue Kreatur, zu der wir seit unserer Taufe berufen sind; den Menschen, der frei geworden ist vom Bösen; den Menschen, der dem Reich Christi angehört und zu guten Werken geschaffen ist; den Menschen, der sich in den finsteren Tälern, durch die sein Weg führt, nicht mehr schrecken lässt, sondern in der Gewissheit seines Heils fröhlich seine Straße zieht. Dieser neue Mensch in uns ist schon da. Aber er kann und soll sich weiter entwickeln, er kann und soll richtig stark werden. …

Vor zwei Wochen begegnete ich einem Mann, einem Landwirt, bei dem wir eine Portion Fleisch bestellten. Er ist für mich ein Beispiel für ein solches Erstarken des inwendigen Menschen. Der jetzt 67jährige erzählte uns von seinem Schicksal. Mit 28 Jahren verlor er beim Hantieren mit einer Farbspritze, die verstopft war und dann plötzlich losging, von einer Sekunde auf die andere sein Augenlicht. Zu diesem Zeitpunkt war er 4 Jahre lang verheiratet und Vater einer 2jährigen Tochter. Im Krankenhaus dachte er zunächst, es werde sich schon wieder geben mit seinen Augen, bis ihm dann der Arzt eröffnete, er werde nie mehr sehen können.

In jener Nacht, so erzählte er, habe er in tiefster Verzweiflung zu Gott geschrien. Und in dieser selben Nacht habe Gott begonnen, zu ihm zu sprechen. Die Verzweiflung sei schließlich gewichen. Ein Hunger nach Gottes Wort und nach christlicher Gemeinschaft sei in ihm entstanden. Bald, so sagte er, sei er felsenfest davon überzeugt gewesen, dass Gott jederzeit alle Fäden in der Hand hatte und weiterhin habe. Gott habe ihm auch visionäre Erlebnisse geschenkt, denen er entnehmen konnte, dass aus seinem Leben mehr werden sollte als er zu hoffen wagte.

Tatsächlich blieb er blind. Die Landwirtschaft konnte aber in gewissem Umfang weitergeführt werden. Sogar die Aussiedlung seines Hofes konnte er trotz seiner Blindheit planen und gestalten, einschließlich einer Museums-Halle für landwirtschaftliche Geräte. Nach Jahrzehnten völliger Blindheit konnte ihm durch Hornhauttransplantationen ein gewisses Sehvermögen vermittelt werden. Heute ist er Vater von 4 Töchtern und auch schon mehrfacher Opa. Er betreibt mit seinem Schwiegersohn einen Zebu-Hof, was ihm große Freude macht, und er hat für seine Tiere schon viele Prämien erhalten.

Wir erlebten diesen Mann als einen fröhlichen und warmherzigen Christenmenschen, der uns tief beeindruckte. Der Glaube an Jesus Christus als den Herrn des Heils sprach aus seinem ganzen Wesen. Er begegnete uns in geschwisterlicher Liebe. Ganz wichtig ist ihm das geistliche Leben im Hauskreis, dem er angehört. Er verriet uns auch, dass Gott ihn sogar mit der Gabe der Zungenrede, also mit der besonderen geistgewirkten Gebetssprache, beschenkt habe. Äußerlich gesehen: was für eine Schicksalstragik, die wir da vor uns hatten, was für ein armer, geschlagener Mensch. Aber zugleich und andererseits: was für eine phänomenale Stärke, die uns da begegnete. …“

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