Schenken abschaffen?

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ – Joh 3,16

(Predigt, Hl. Abend) „…Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht mit dem Schenken. Sollte man es wirklich abschaffen, wie manche meinen, sicherlich mit manch gutem Grund? … …

Diese Welt, die sich ihrem Schöpfer alles andere als liebenswürdig darstellt, ist trotzdem immer schon geliebt worden und geliebt geblieben von Gott und darum bewahrt geblieben; ist immer wieder davon gekommen, wenn auch mit schwersten Blessuren; ist trotz allem immer wieder mit Segnungen bedacht worden. Wir alle leben von dieser anhaltenden Liebe Gottes, ob wir es wissen oder nicht.

Aber nun, liebe Gemeinde, ist Gott in seiner Liebe zu dieser Welt über alles Bisherige hinausgegangen. Nun hat Gott sich zu einem nie dagewesenen Geschenk entschlossen. ‚Also hat Gott Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.’ ‚Eingeborener Sohn’ – grübeln wir nicht allzusehr an diesen Begriffen herum. Wie soll man ihn anders zutreffend bezeichnen, den einen, einzigen, der zu Gott gehört wie ein Sohn zum Vater; der seinem Wesen nach Gott ist, so wie ein Sohn das Wesen des Vaters in sich trägt; ihn, den Gott über alle Maßen liebt, wie ein Vater seinen einzigen Sohn liebhat? Wichtig ist, dass Gott diesen eingeborenen Sohn tatsächlich für uns her- und hingibt. Und das ist geschehen. Das Knäblein, das in der Krippe liegt, der ist es. Das ist Gottes Bescherung für uns am Hl. Abend.

Wichtig ist, dass der Sohn so gekommen ist, und nicht anders. … Als ein Kind, klein und hilflos kommt er zur Welt und nimmt schon bei seiner Geburt die erbärmlichsten, die verächtlichsten Umstände auf sich, erst recht dann auf seinem späteren Weg. Da, bei seiner Geburt, zeigt es sich schon in überwältigender Weise: er setzt seine ganze Sohnesmacht zum Retten ein, nicht zum Richten.

‚Damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.’ Da bekommen wir nun gesagt, liebe Gemeinde, was unser Part bei dieser Rettungsaktion ist, wenn sie bei uns greifen soll. ‚An ihn glauben, an diesen Sohn glauben’, das ist alles. Könnte Gott es uns leichter, könnte er uns den Weg zum Heil einfacher machen? …

Wenn ich mit Konfirmanden diese Stelle durchspreche – alle, die an ihn glauben – lasse ich sie dazu eine Kirche malen und Menschen, die hineingehen. Nach wie vor ist der Gang zur Kirche die naheliegende Möglichkeit, Glauben in diesem Sinn, Glauben an ihn miteinander zu praktizieren. Darum an dieser Stelle ganz herzliche Einladung an alle, die sich bisher dazu nur selten entschließen konnten.

Im Gottesdienst erfahren wir auch am ehesten das, was hier am Ende den Glaubenden zugesagt wird: sie sollen nicht verloren sein, sondern das ewige Leben haben. Ja, Gott hat uns in seinem menschgewordenen Sohn allen Ernstes ein neues, heilgewordenes, unvergängliches Leben zugedacht – ganz gleich, was bei uns schon kaputtgegangen ist; ganz gleich, wie hoffnungslos es für uns aussehen mag. Und es ist durchaus so zu verstehen, dass dieses wahre oder auch ewige Leben jetzt schon zu haben ist, jetzt schon beginnt. Auch in dieser gottesdienstlichen Stunde am Hl. Abend kann es durch den Hl. Geist geschehen, dass wir erstmals oder wieder neu an Jesus Christus glauben können, und dass unser Leben damit auf eine neue Grundlage gestellt wird; dass es zur Neugeburt oder Wiedergeburt bei uns kommt, wie es im Textzusammenhang des Johannesevangeliums heißt; dass uns Kräfte zufließen aus der kommenden Welt Gottes, Lebenskräfte, von denen wir nichts wussten, Kräfte zum Guten und Schönen, uns selber und unseren Nächsten zur Freude.

Gott jedenfalls hat das Schenken nicht abgeschafft. Lassen wir uns von ihm beschenken am Fest der Liebe – seiner Liebe. Amen.“

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